Ich habe jetzt schon ein bisschen mehr als die Hälfte meiner
Zeit hier verbracht und habe jetzt das Gefühl, dass ich eine Halbzeitbilanz
ziehen muss. Spätestens wenn ich mich in zwei Wochen von allen meine Freunden, inklusive Caroline, verabschiedet habe, beginnt für mich auch eine
wahrscheinlich stark veränderte Ruanda Erfahrung. Ich werde für die
finalen Abschlussprüfungen des Semesters lernen müssen, ich werde für die
Bachelorarbeit nicht nur die Bäume vermessen sondern auch fällen und wiegen und
ich werde mir andere Freunde suchen müssen. Ich freue mich auch schon auf den Besuch von Claire von Mitte Janaur
bis Februar. Ich denke die zweite Hälfte wird, ähnlich wie die erste, unheimlich
schnell vorrüber gehen! Die ersten 2-3 Dezember Wochen werden wahrscheinlich
noch unheimlich entspannt, aber danach werde ich wahrscheinlich zur Selben Zeit
von mitte-ende Dezember bis mitte Januar für die Prüfungen lernen müssen und die
Bäume fällen. Ich denke das wird ein sehr stressiger Monat. Danach kommt mich
dann Claire besuchen. Wenn Sie wieder weg ist,
habe ich hier nur noch 2-3 Wochen und dann schreibe ich wahrscheinlich an meiner
Bachelorarbeit und besuche noch ein paar Freunde und suche vielleicht
Souveniers und sowas.
Aber jetzt zu meinen Ruanda Eindrücken. Die Ruanda sind
wahhhhhnsinnig ruhig, höflich, sehr freundlich und sehr hilfsbereit!! Wenn
ich irgendein kleines Problem habe, zum Beispiel ich suche nach dem Weg, möchte
etwas bestimmtes kaufen, habe eine Frage zu einem Vortrag den jemand hällt oder
wenn ich vielleicht irgendetwas kleines wie einen Stuhl etc. gebrauchen könnte,
dann ergreift eigentlich immer sofort irgendjemand die Initiative (ohne das ich
Frage) und bringt mir einen Stuhl, oder übersetzt für mich oder erklärt mir
den Weg etc. Das sich fremde Leute so sehr um mich kümmern, habe ich das
letzte Mal in Indien erlebt, aber auch da war es wahrscheinlich nicht so stark
ausgeprägt wie hier! Ich denke das liegt daran, dass in Entwicklungsländern wie
Ruanda oder Indien, die Leute unheimlich viel Respekt vor Europa und Amerika
haben und sich selbst möglichst gut Präsentieren wollen und möglichst viel
Respekt zeigen wollen. Zweitens, habe ich den ganz starken Eindruck, dass sich viele Leute so
ein bisschen schämen, dass Ruanda/ Indien nicht so schön ist wie das super
schöne und super reiche und super moderne Deutschland und man möchte mir das Beste geben, dass sie haben damit ich
nicht ganz so schlecht über Ruanda denke. Manchmal habe ich das Gefühl, als
würden viele Leute hier denken „Ohhh der kommt aus einem super reichen Land in dem
alles super super schön und super super hoch modern ist und bei uns ist alles kaputt. Wir
müssen ihn jetzt so gut wie möglich unterstützen, weil er sich sonst in unserem verarmten
unterentwickelten Land nicht wohl fühlt und mit schlechten Eindrücken nach
Hause geht.“ Soooo hat das natürlich noch niemand ausgedrückt, aber manchmal
habe ich das Gefühl, dass einige Leute so in diese Richtung denken. Aber das muss meiner Meinung nach nicht so sein. Ja, Einerseits ist es klar, dass Deutschland eine vieeeeel
bessere Infrastruktur hat (also besseres Straßennetzt, modernere Straßen und
Gebäuden, mehr Möglichkeiten in allen Bereichen etc.). Andererseits ist es
absolut ausreichend und die Infrastruktur ist auch nicht das Wichtigste. Ich
persönlich würde lieber im ruhigen Ruanda wohnen als zum Beispiel in Israel,
das zwar wirtschaftlich sehr weit entwickelt ist, aber wo es jeden Tag zu Gewalt
gegen Isralis und Palestinänsern kommt. Also Infrastruktur ist nicht auf dem selben
Stand wie bei uns, aber ich will Ruanda ganz groß loben, dass die Leute hier so
friedlich sind und das es zu den sichersten Ländern Afrikas zählt.
Trotzdem ist Ruanda glaube ich nicht das richtige Land für
mich. Natürlich werde ich weiter in Deutschland leben keine Frage, aber wenn
ich mich entscheiden müsste, würde ich wahrscheinlich lieber in Indien als in
Ruanda leben. Ruanda und seine Bevölkerung ist in sehr vieler Hinsicht
weeeeesentlich ruhiger, sauberer und leichter als Indien aber die Mentalität
der Leute passt weniger zu mir als die der Indier denke ich. Eigentlich ist es
so, dass die Ruanda cooler und aktiver und lustiger sind als die Indier. Zwar
sind die meisten Ruanda sehr sehr schüchtern und nervös und "korrekt" sage ich mal, aber
wenn immer sie die Möglichkeit haben zu tanzen und zu feiern, dann tuen sie das auch. Die Menschen hier lieben es raus zu gehen und
zu tanzen und ein wenig zu trinken (nicht wie bei uns mit Komasaufen) und haben
eingentlich ganz schön viel Spaß. Fast alle Leute hier, lieben es zu tanzen und
sind fantastische Tänzer, dass ist echt beeindruckend! Aber was mich stört ist,
dass mir Tanzen halt einfach gar nicht gefällt und ich in Europa sehr gerne in
Bars gehe und mich da mit Freunden unterhalte und viele Witze mache. Deswegen
hat mir Dublin auch so gut gefallen weil es so viele Pub’s/ Bars gibt. Die viele
Leute´mit denen ich zu tun hatte, sind viel zu schüchtern wenn sie sich unterhalten und es muss
immer getanzt werden wenn Musik gespielt wird. Viele Leute verstehen meine Witze
nicht und machen selber keine. Es ist vielleicht so ein bisschen so, dass die
Leute denken ich bin verkrampft weil mir Tanzen nicht gefällt und ich
verkrampft auf der Tanzfläche bin. Ich habe aber wiederum so ein bisschen das Gefühl, dass viele Leute auserhalb der Tanzfläche verkrampft sind :D. Also irgendwie passe ich
nicht in diese Gesellschaft rein. Wenn wir nicht auch Fußball als
Gesprächsthema hätten, hätten wir uns gar nichts zu sagen. Und in Indien ist
das anders, weil die Leute da zwar auch ruhig und schüchtern mit mir reden
(untereinander überhaupt nicht) aber es kaum Nachtklubs gibt und die Leute kaum
Tanzen (kaum zu glauben ich weiß! Bollywood gibt uns da ein ganz anderes Bild).
In Indien verbringt man die meiste Freizeit mit der Familie, schaut Fernsehen, spielt Schach
und unterhält sich dann natürlich währenddessen. Deswegen hatte ich in Indien viele spannende
und auch lustige Gespräche mit meinen Freunden und der Familie meiner Köchin.
Das ist so eine Kultur und eine Freizeitgestaltung die besser zu mir passt und
wo ich mich auch wohler Fühle. Ich vermisse das hier so ein bisschen.
Vielleicht kann man mal kurz zusammenfassen:
Probleme habe ich hier absolut keine!! Es ist sehr sehr leicht in Ruanda
zurecht zu kommen. Das Wetter ist super,
das essen ist gut, die Leute sind freundlich, alles ist gut. Es gibt überhaupt
kein Problem und das ist ein riesen Pluspunkt!! Dann gefällt mir die
Bachelorarbeit sehr gut und in dem einen Fach, dass mich interessiert lerne ich
denke ich auch sehr viel! Von daher gibt es eigentlich nichts zu mekern. Dafür
habe ehrlich gesagt auch nicht ganz so viel Spaß wie in Irland oder Indien und
das ist ein bisschen Schade. Auf der anderen Seite hatte ich in Indien suuuuper Freunde mit denen ich mich absolut fantastisch verstanden habe. Auch die Arbeit war in Indien
sehr schön, aber psychisch ganz schön hart, weil man sich natürlich um die
Kinder im Projekt Sorgen gemacht hat und das Essen und Klima war ein
Problem. In Indien hatte ich also viele Dinge die sehr sehr schön waren, aber
auch viele Dinge die echt sehr schwer waren. So ähnlich war es auch in Irland.
Mir hat die Arbeit gar nicht gefallen, aber dafür hatte ich in Dubin viel Spaß
mit Freunden und habe viele neue, spannende, schöne und lustige Dinge
unternommen.
Vielleicht kann man sagen, dass meine Zeit in Ruanda ein
bisschen langweilig und ereignisloser ist, im Vergleich zu meiner Zeit in
Indien oder Irland, aber dafür habe ich auch weniger Probleme.
Ehrlich gesagt wird das hier glaube ich erstmal mein letzter
Auslandsaufenthalt für länger als 3 Monate sein. Ich habe im Moment nicht mehr die
selbe Leidenschaft wie noch vor 5 Jahren als ich in Indien war. Wahrscheinlich
werde ich das in 1 oder 2 Jahren wieder anders empfinden aber ich glaube danach
gibt es erstmal eine Pause. Was ich eigentlich auf jeden Fall noch machen
möchte, ist in den Sommersemesterferien für 2-3 Monate nach Russland oder
Kirgisien oder so um mein Russisch soweit zu verbessern das es absolut flüssig
ist und nicht nur dieses halb stotternde Russisch ist. Und ich bin schon fleißig
dabei Französisch zu lernen und möchte 2-3 Monate nach Frankreich oder Belgien
oder in die Schweiz um auch noch, wenn ich soweit bin, mein Französisch soweit
zu verbessern, dass ich flüssig bin :). Das wäre schön wenn ich das könnte und hinbekommen würde :).
Sooo, aber jetzt erstmal Schluss mit diesem Eintrag. Nächste
Woche geht’s weiter, mit meiner letzten Reise mit Caroline und wenn ich allen
meinen Freunden hier Tschüss gesagt habe.
Bis zum nächsten Mal
Bis zum nächsten Mal









































