Montag, 5. Dezember 2016

Nyungwe Nationalpark

Diese Woche war ich ein bisschen schlecht gelaunt muss ich zugeben aber ich bin mir nicht sicher woran das liegt. Ich hatte nicht wirklich Heimweh, es ist nichts schlimmes oder besonders Nerviges passiert eigentlich. Vielleicht ist es eine Kombination von mehreren Kleinigkeiten. Zum Beispiel ist es ein wenig nervig das mich alle als den super reichen „Muzungu“ (weißen) sehen, oder dass mich die Motorradtaxi Fahrer immer von weitem rufen. Oder, dass der Unterricht so wahnsinnig lange dauert und langweilig ist. Aber das sind wirklich alles Kleinigkeiten die ich ohnehin so erwartet habe. Vielleicht war es jetzt einfach Mal so eine Phase die ich gebraucht habe. Vielleicht ist die neue Situation jetzt doch so anstrengend geworden, dass ich schlecht Laune bekommen habe. Sei’s drum, diese Woche geht’s wieder besser.

Im Prinzip ist diese Woche nichts Besonderes passiert, außer dass ich wieder angefangen habe zu joggen. Wegen den vielen und langen Hügeln, war ich sowas von kaputt als ich fertig war, aber dafür war es wahrscheinlich auch die schönste lauf Strecke die ich je gelaufen bin :D. Es ging durch einen kleinen Wald und mehrere Reisfelder mit Aussicht auf schöne Hügel im Hintergrund. Ich lade mal ein paar Bilder hoch. Ich bin echt nicht in Form im Moment, aber mein Ziel ist nach 2-3 Monaten den langen Hügel zu meinem Zimmer ohne Pause zu packen.     

Der Höhepunkt der Woche war aber ganz klar der Sonntag!! Am Sonntag bin ich mit Caroline und zwei Mädels aus Schweden, Moa und Viktoria, zum Nyungwe Nationalpark gefahren und wir haben eine sehr sehr schöne Wanderung gemacht!! Die Wanderung ging 6 Stunden und wir haben ein paar Affen, exotische Vögel und exotische Bäume gesehen. Außerdem gab es oft eine Super Aussicht auf den Park und wir haben 4 Wasserfälle gesehen! Wir hatten auf jeden Fall viel Spaß und ich hätte große Lust noch einmal eine andere Wanderung zu machen. Leider mussten wir uns zum Park ein Taxi teilen und wir mussten einen Führer für die Wanderung nehmen, sodass die ganze Aktion nicht so ganz billig war. Für die nächste Wanderung miete ich vielleicht ein Motorrad und mache die Wanderung ohne Führer (auch wenn das wohl leicht illegal ist, aber läuft sowieso keiner rum um zu kontrollieren). Wir haben also Geld liegen lassen, aber es ist nicht irgendein Nationalpark!




  
Ich will noch etwas zum Nationalpark schreiben. Der Nyungwe Wald ist kein tropischer Regenwald, sondern ein sogenannter „Nebelwald“. Tropische Regenwälder gibt es in Ruanda nicht. Der Unterschied zwischen dem Ruandischen Nebelwald und tropischen Regenwäldern wie dem in Kongo ist die Höhe. Der Nyungwe Wald liegt zwischen 1.500 und 2950m Höhe und ist damit der Höchste Wald in Afrika! Die Höhe macht den Wald in Afrika und der Welt absolut einzigartig weil es sehr viele Pflanzenarten, Vögel, Säugetiere und Schmetterlinge gibt, die NUR in tropischen Gebieten dieser Höhe vorkommen, also NUR im Nyungwewald. Es gibt 75 Säugetierarten, 310 Vogelarten und 120 Schmetterlingsarten von denen es viele nur in diesem Wald gibt. Der Botanik Professor an der Uni Koblenz, der regelmäßig nach Ruanda fliegt und oft schon seit Jahrzehnten zu Forschungszwecken in den Nyungwe geht, hat gesagt, dass es in diesem kleinen Wald eine größere Pflanzenvielfalt gibt, als in ganz Europa!! Also in einem 970km² Wald gibt es mehr verschiedene Arten von Pflanzen, als in einem 10.180.000km² großen Kontinent!!! Und der Prof. findet immer mal wieder eine neue Orchidee die noch nicht entdeckt und erfasst wurde und die meisten der Pflanzen wurden noch nicht richtig analysiert. Es gibt Hinweise, dass einige der Pflanzen zur Bekämpfung von Malaria eingesetzt werden könnten und deshalb ist es für viele Forscher sehr wichtig, dass der Wald noch lange erhalten bleibt.
Leider gibt es in Ruanda eine viel zu große Bevölkerung und nicht genug Platz für die Menschen um Nahrung anzubauen. Deshalb haben in den letzten 100 Jahren sehr viele Menschen weite Teile des Waldes gerodet um neue Anbauflächen zu bekommen, also zu überleben könnte man sagen. Der Wald steht seit 1933 unter Naturschutz, hat aber trotzdem 20% seiner Fläche wegen illegaler Rodung verloren. Seit 2005 hat der Wald den Status des Nationalparks und wird besonders stark geschützt. Seitdem ist die illegale Rodung auch stark zurückgegangen, aber der Wald wird immer noch stetig kleiner. Auch die Uni Koblenz hat in den letzten Jahren geholfen, den Wald zu beschützen und zu erhalten. Die Uni hat, mit vielen einheimischen Mitarbeitern, Bäume um den Wald herum gepflanzt und die betroffene Bevölkerung aufgeklärt und unterstützt, ihr Landwirtschaftssystem so umzustellen, dass sie ihre Erträge stark erhöhen können, ohne den Wald zu roden. Die Ergebnisse auf dem Forschungsfeld in Butare (wo ich die Projektarbeit für meine Bachelorarbeit mache) haben gezeigt, dass Agroforstwirtschaft in Ruanda funktioniert und die Uni versucht, die Menschen in der Nähe des Nyunge dafür zu motivieren und unterstützen auf dieses Landwirtschaftsmodell umzusteigen. Das Projekt wurde übrigens von der Bundesregierung finanziert, weil der Nyungwe Wald unheimlich viel CO2 verarbeitet und Speichert und deshalb für die Bekämpfung des Klimawandels wichtig ist. Der Nyungwe Wald ist also nicht nur für die Erhaltung der Tier- und Pflanzenwelt im Wald wichtig, oder für die Forscher, sondern Umweltschutz ist immer auch ein Stück weit eine weltweite Angelegenheit.     

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