In den letzten zwei Wochen,
hatte ich sowas von viel zu tun und das wird wohl auch für den nächsten Monat
so bleiben. Die Vermessungen für die Bachelorarbeit sind erstens ganz schön
schwer und zweitens sehr sehr Zeitaufwändig. Aaaaber ich denke es ist echt eine
schöne Bachelorarbeit. Ich sitze nicht den ganzen Tag in der Bibliothek und
lese mir irgendwelche unpraktischen Pädagogik Theorien durch, sondern ich bin
draußen an der frischen Luft mache etwas Praktisches. Ich mache viel lieber
praktische Arbeit draußen (im Gelände) also den ganzen Tag am PC zu sitzen.
Deswegen, bin ich sehr zufrieden mit der Arbeit, auch wenn es schwer ist. Ich
habe hier 12 Parzellen und muss den Namen von ca. 650 Bäume bestimmen, den
Abstand zum Rand jeder Parzelle bestimmen, den Durchmesser der Bäume und die
Höhe der Bäume Messen. Die Probleme sind, dass ich erstens kein Botaniker bin
und deshalb keine Ahnung habe, wie die Bäume heißen bzw. wie ich die Bäume
voneinander unterscheiden soll. Zweitens sind die Bäume zum Teil über 30m hoch
und es stehen viele andere große Bäume direkt nebendran. Dann ist es schwer das
Gerät richtig zu benutzen. Drittens arbeite ich leider alleine und für viele
Bäume brauche ich jemanden der mir hilft, wenn ich die Messungen korrekt machen
soll. Aber dafür lerne ich auch was dabei!!
Unter der Woche war in Huye
das „European Film Festival“. Im Reichenviertel der Stadt wurde eine Leinwand
aufgestellt und am Dienstag, Mittwoch und Donnerstag wurden jeweils zwei
Europäische Filme gezeigt. Wir waren am Mittwoch da und haben eine Sammlung von
Britischen Kurzfilmen, einen Ruandischen Kurzfilm und einen Holländischen Film
gesehen. Der Eintritt war tatsächlich kostenlos und der Film wurde draußen
gezeigt, weil Huye kein Kino hat. Und trotzdem sind leider leider keine
Einheimischen gekommen… Das ist schade, weil die Film so Familienkomödien waren
und eigentlich sehr gut zeigen wie Menschen in Europa wirklich leben und das
auch Europäer Geld- und Karrieresorgen haben. Und es wäre bestimmt interessant
für viele Ruanda auch mal europäisches Kino zu sehen!! Naja es war das erste
Mal und vielleicht spricht sich das Event beim nächsten Mal etwas stärker rum.
Am Ende waren wir leider nur 4 weiße und 2 Ruanda. Genial fand ich übrigens den
Stromausfall in der Mitte des Films. Die Leinwand kann ohne Strom nicht stehen
und ich dachte mir nur ja! Das ist symbolisch für Ruanda. Bei Stromausfall geht
gar nichts mehr!!
Am zweiten
Wochenende habe ich mit Caroline eine 3 Tage Wanderung entlang des Kivus Sees
gemacht. Wir haben praktisch den ganzen Freitag gebraucht um von Huye nach
Giseny im Norden des Sees zu fahren und haben den Abend in der sehr sehr
schönen und modern wirkenden Stadt verbracht. Es gibt hier mehrere Strände, die
Leute machen Sport auf Sportplätzen und am Strand. Die Straßen sehen fast so
aus wie in Europa und es ist sehr sehr sauber. Sehr sehr schöne Stadt!! Wenn es
nicht so weit weg wäre würde ich noch einmal für länger dorthin fahren. Es wäre
sehr cool gewesen, wenn ich in Giseny und nicht in Huye leben würde.
Wir haben die
Wanderung dann am Samstag morgen gestartet und ging durch viele Dörfer entlang
des Kivu See’s. Wir haben sehr viele aufgeregte schreiende Kinder gesehen die
leidenschaftlich gerne „Muzungu“ geschrien haben und nach Geld gefragt haben.
Außerdem haben wir ganz oft den See, Dörfer, Felder und Bananenbäume gesehen. Der
erste Tag war ca. 20km lang und sehr sehr schön. Aaaaaber auch ganz schön lang
und es ging die ganze Zeit hoch und runter und der Weg nicht gut ausgebaut :D.
Viele Leute machen die Tour mit dem Fahrrad, aber mit dem Fahrrad ist dieser
Weg glaube ich extrem schwer. Die Straße ist katastrophal und es geht sehr oft
steil nach oben. Wir waren also zu Fuß schon ganz schön platt nach der ersten
Etappe. Aber das war noch gar nichts im Vergleich was uns in der zweiten Etappe
erwartet hat!! Es hat sich nämlich rausgestellt, dass Unterkunft Nummer 2 schon
seit Jahren nicht mehr geschlossen ist…. Das heißt, wir mussten zusätzlich zu
den 18km von Etappe 2, noch die nächsten 10km von Etappe 3 laufen!!! Wir waren
aber schon so kaputt, dass wir für die letzten 5km ein Motorradtaxi genommen
haben. Was gut war, denn die „3.“ Unterkunft war so schlecht beschildert, dass
wir sie vielleicht nicht gesehen hätten. Dafür war die Unterkunft auch sehr
schön!! Dort war zu der Zeit ein Geographie Student aus Bayern, der in dieser
Unterkunft ein Praktikum gemacht hat. Das Gästehaus betreibt eine Bäkerei die
versucht ein paar gesunde Brötchen zu einem günstigen Preis bereitzustellen und
sie versuchen im Moment einen Kindergarten zu bauen, damit die vielen Kinder in
den Dörfern hier auch tagsüber mal was zu tun haben. Wir haben Abends ein
Lagerfeuer gemacht, ein paar Bier getrunkten und uns geniale Geschichten von
einem holländischen Priester angehört der schon seit Jahren in der Region wohnt
und sich um die Leute hier kümmert. Er hat sich durch viele Aktionen Respekt
von der Polizei verschafft :D und wird von niemanden mehr belästigt. Der 3 Tag
war dann entspannter, aber dafür auch nicht mehr so schön. Wir haben eine
Straße genommen, die gerade von Chinesen gebaut wird und sind auf direktem Wege
zu einen kleinen Dorf gefahren, wo wir einen Bus nach Hause nehmen konnten. Der
3. Tag war wierklich nicht lang, aber wir waren so total erschöpft, dass auch
der letzt Tag total anstrengend war. Es war sehr schön, aber ich glaube wir
waren beide froh wieder zu Hause zu sein. Wenn ich Zeit habe, schreibe ich
einen Artikel in Trip Advisor über die Wanderung und warne alle Leute, dass die
zweite Unterkunft geschlossen ist :D.
Ich schreibe
jetzt noch etwas über den Kivu See an sich weil ich diese Geschichte sehr sehr
spannend finde. Also die Wasserscheide zwischen einem Quellfluss des Nil und
dem Fluss „Kongo“. Der See ist also die Grenze zwischen den Einzugsgebieten der
zwei Flüsse. Das ist ganz cool, aber das eigentlich spannende ist, dass wie der
Nyungwe Wald, auch der Kivu See absolut einzigartig ist! Jeder normale See wird
mit zunehmender Tiefe immer kälter weil die Sonnenstrahlen irgendwann nicht
mehr in die Tiefe strahlen.Der Kivu See wird aber mit zunehmender Tiefe immer
wärmer! Das liegt !vor allem! daran, dass es unter dem See (und auch um den See
herum) aktive Vulkane gibt und diese Vulkane warme Gase in den See geben.
Normalerweise, würden sich gelöste Gase an die Oberfläche bewegen (wie zum
Beispiel beim Laacher See in der Eifel) aber der sehr hohe Wasserdruck des Kivu
Sees führt dazu, das der See diese Gase speichert. Um Gase zu speichern, muss
ein See mindestens 250m tief sein und der See ist 485m tief. Aber auch der Kivu
See hat eine maximale Grenze and Gasen, die er Speicher kann und diese ist laut
Wikipedia im Moment bei 55%. Wenn die sich die Situation nicht verändert, wird
die Grenze wahrscheinlich ende des Jahrhunderts überschritten und dann
Explodiert der See und zerstört alles im Umkreis. Alle die die Explosion überleben,
werden durch die Gase ersticken. Im Moment, währen das Millionen von Menschen.
2002 ist der
Kongoläsische Nyrangongo Vulkan an der Ruandischen Grenze ausgebrochen und
viele Experten und Menschen hatten Angst, dass die starke Erruption das System des
Sees schädigt und der See deshalb schon viel früher als Erwartet explodiert.
Das wäre eine seeeeeeehhhhr viel größere Katastrophe gewesen als der
Vulkanausbruch. Deswegen wollen viele Experten möglichst jetzt schon eine
Lösung für das Gas Problem am Kivu See suche und nicht erst bis zum Ende des
Jahrhunderts damit warten. 2002 sind 50 Menschen gestorben und viele Dörfer
sowie Teile der Kongoläsischen Stadt Goma zerstört.
Und es gibt
schon eine Lösung. Die 2 Hauptgase, die im See gespeichert sind, sind CO2 und
Methan und Methan wird sehr gerne als Energiegas verwendet. Laut Schätzungen,
sind im See genug Methan für ein Jahrhundert Strom gelagert und die ruandische
Regierung mit Kooperation von einer US Firma haben bereits angefangen, dass
Methan aus dem See zu pumpen und wollen, wenn alles nach Plan läuft, dies noch
intensivieren. Die erste Pumpanlage ist nicht weit von Giseny und ich und
Caroline haben uns schon überlegt, was dieser Leuchtturm/ Ölpumpanlage
eigentlich ist. Es ist eine Methanpump anlage :D. Ruanda kann also mit dieser
Aktion die Gefahr einer Explosion entgegenwirken und endlich mal genug Strom
für das Land erzeugen. Dann muss es nicht jeden Tag 5 Stromausfällen kommen.
Die Gefahr ist aber bei solchen großen Eingriffen in Ökosysteme, dass es sehr
schwer einzuschätzen ist, wie das System oder der See darauf reagiert.
Vielleicht kommt es durch berechnungsfehlern sogar noch früher zu einer
explosion. Außerdem, kann die Aktion natürlich zu Problemen mit dem Nachbarland
Kongo führen, weil Kongo natürlich auch Anspruch auf die Gasreserven fordert!
Es bleibt also sehr sehr spannend am Kivu See!!














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