Montag, 5. Dezember 2016

Bachelorarbeit, European Film Festival und Congo-Nile-Trail



In den letzten zwei Wochen, hatte ich sowas von viel zu tun und das wird wohl auch für den nächsten Monat so bleiben. Die Vermessungen für die Bachelorarbeit sind erstens ganz schön schwer und zweitens sehr sehr Zeitaufwändig. Aaaaber ich denke es ist echt eine schöne Bachelorarbeit. Ich sitze nicht den ganzen Tag in der Bibliothek und lese mir irgendwelche unpraktischen Pädagogik Theorien durch, sondern ich bin draußen an der frischen Luft mache etwas Praktisches. Ich mache viel lieber praktische Arbeit draußen (im Gelände) also den ganzen Tag am PC zu sitzen. Deswegen, bin ich sehr zufrieden mit der Arbeit, auch wenn es schwer ist. Ich habe hier 12 Parzellen und muss den Namen von ca. 650 Bäume bestimmen, den Abstand zum Rand jeder Parzelle bestimmen, den Durchmesser der Bäume und die Höhe der Bäume Messen. Die Probleme sind, dass ich erstens kein Botaniker bin und deshalb keine Ahnung habe, wie die Bäume heißen bzw. wie ich die Bäume voneinander unterscheiden soll. Zweitens sind die Bäume zum Teil über 30m hoch und es stehen viele andere große Bäume direkt nebendran. Dann ist es schwer das Gerät richtig zu benutzen. Drittens arbeite ich leider alleine und für viele Bäume brauche ich jemanden der mir hilft, wenn ich die Messungen korrekt machen soll. Aber dafür lerne ich auch was dabei!!
 
Unter der Woche war in Huye das „European Film Festival“. Im Reichenviertel der Stadt wurde eine Leinwand aufgestellt und am Dienstag, Mittwoch und Donnerstag wurden jeweils zwei Europäische Filme gezeigt. Wir waren am Mittwoch da und haben eine Sammlung von Britischen Kurzfilmen, einen Ruandischen Kurzfilm und einen Holländischen Film gesehen. Der Eintritt war tatsächlich kostenlos und der Film wurde draußen gezeigt, weil Huye kein Kino hat. Und trotzdem sind leider leider keine Einheimischen gekommen… Das ist schade, weil die Film so Familienkomödien waren und eigentlich sehr gut zeigen wie Menschen in Europa wirklich leben und das auch Europäer Geld- und Karrieresorgen haben. Und es wäre bestimmt interessant für viele Ruanda auch mal europäisches Kino zu sehen!! Naja es war das erste Mal und vielleicht spricht sich das Event beim nächsten Mal etwas stärker rum. Am Ende waren wir leider nur 4 weiße und 2 Ruanda. Genial fand ich übrigens den Stromausfall in der Mitte des Films. Die Leinwand kann ohne Strom nicht stehen und ich dachte mir nur ja! Das ist symbolisch für Ruanda. Bei Stromausfall geht gar nichts mehr!!





Am zweiten Wochenende habe ich mit Caroline eine 3 Tage Wanderung entlang des Kivus Sees gemacht. Wir haben praktisch den ganzen Freitag gebraucht um von Huye nach Giseny im Norden des Sees zu fahren und haben den Abend in der sehr sehr schönen und modern wirkenden Stadt verbracht. Es gibt hier mehrere Strände, die Leute machen Sport auf Sportplätzen und am Strand. Die Straßen sehen fast so aus wie in Europa und es ist sehr sehr sauber. Sehr sehr schöne Stadt!! Wenn es nicht so weit weg wäre würde ich noch einmal für länger dorthin fahren. Es wäre sehr cool gewesen, wenn ich in Giseny und nicht in Huye leben würde. 


Wir haben die Wanderung dann am Samstag morgen gestartet und ging durch viele Dörfer entlang des Kivu See’s. Wir haben sehr viele aufgeregte schreiende Kinder gesehen die leidenschaftlich gerne „Muzungu“ geschrien haben und nach Geld gefragt haben. Außerdem haben wir ganz oft den See, Dörfer, Felder und Bananenbäume gesehen.    Der erste Tag war ca. 20km lang und sehr sehr schön. Aaaaaber auch ganz schön lang und es ging die ganze Zeit hoch und runter und der Weg nicht gut ausgebaut :D. Viele Leute machen die Tour mit dem Fahrrad, aber mit dem Fahrrad ist dieser Weg glaube ich extrem schwer. Die Straße ist katastrophal und es geht sehr oft steil nach oben. Wir waren also zu Fuß schon ganz schön platt nach der ersten Etappe. Aber das war noch gar nichts im Vergleich was uns in der zweiten Etappe erwartet hat!! Es hat sich nämlich rausgestellt, dass Unterkunft Nummer 2 schon seit Jahren nicht mehr geschlossen ist…. Das heißt, wir mussten zusätzlich zu den 18km von Etappe 2, noch die nächsten 10km von Etappe 3 laufen!!! Wir waren aber schon so kaputt, dass wir für die letzten 5km ein Motorradtaxi genommen haben. Was gut war, denn die „3.“ Unterkunft war so schlecht beschildert, dass wir sie vielleicht nicht gesehen hätten. Dafür war die Unterkunft auch sehr schön!! Dort war zu der Zeit ein Geographie Student aus Bayern, der in dieser Unterkunft ein Praktikum gemacht hat. Das Gästehaus betreibt eine Bäkerei die versucht ein paar gesunde Brötchen zu einem günstigen Preis bereitzustellen und sie versuchen im Moment einen Kindergarten zu bauen, damit die vielen Kinder in den Dörfern hier auch tagsüber mal was zu tun haben. Wir haben Abends ein Lagerfeuer gemacht, ein paar Bier getrunkten und uns geniale Geschichten von einem holländischen Priester angehört der schon seit Jahren in der Region wohnt und sich um die Leute hier kümmert. Er hat sich durch viele Aktionen Respekt von der Polizei verschafft :D und wird von niemanden mehr belästigt. Der 3 Tag war dann entspannter, aber dafür auch nicht mehr so schön. Wir haben eine Straße genommen, die gerade von Chinesen gebaut wird und sind auf direktem Wege zu einen kleinen Dorf gefahren, wo wir einen Bus nach Hause nehmen konnten. Der 3. Tag war wierklich nicht lang, aber wir waren so total erschöpft, dass auch der letzt Tag total anstrengend war. Es war sehr schön, aber ich glaube wir waren beide froh wieder zu Hause zu sein. Wenn ich Zeit habe, schreibe ich einen Artikel in Trip Advisor über die Wanderung und warne alle Leute, dass die zweite Unterkunft geschlossen ist :D. 







Ich schreibe jetzt noch etwas über den Kivu See an sich weil ich diese Geschichte sehr sehr spannend finde. Also die Wasserscheide zwischen einem Quellfluss des Nil und dem Fluss „Kongo“. Der See ist also die Grenze zwischen den Einzugsgebieten der zwei Flüsse. Das ist ganz cool, aber das eigentlich spannende ist, dass wie der Nyungwe Wald, auch der Kivu See absolut einzigartig ist! Jeder normale See wird mit zunehmender Tiefe immer kälter weil die Sonnenstrahlen irgendwann nicht mehr in die Tiefe strahlen.Der Kivu See wird aber mit zunehmender Tiefe immer wärmer! Das liegt !vor allem! daran, dass es unter dem See (und auch um den See herum) aktive Vulkane gibt und diese Vulkane warme Gase in den See geben. Normalerweise, würden sich gelöste Gase an die Oberfläche bewegen (wie zum Beispiel beim Laacher See in der Eifel) aber der sehr hohe Wasserdruck des Kivu Sees führt dazu, das der See diese Gase speichert. Um Gase zu speichern, muss ein See mindestens 250m tief sein und der See ist 485m tief. Aber auch der Kivu See hat eine maximale Grenze and Gasen, die er Speicher kann und diese ist laut Wikipedia im Moment bei 55%. Wenn die sich die Situation nicht verändert, wird die Grenze wahrscheinlich ende des Jahrhunderts überschritten und dann Explodiert der See und zerstört alles im Umkreis. Alle die die Explosion überleben, werden durch die Gase ersticken. Im Moment, währen das Millionen von Menschen. 

2002 ist der Kongoläsische Nyrangongo Vulkan an der Ruandischen Grenze ausgebrochen und viele Experten und Menschen hatten Angst, dass die starke Erruption das System des Sees schädigt und der See deshalb schon viel früher als Erwartet explodiert. Das wäre eine seeeeeeehhhhr viel größere Katastrophe gewesen als der Vulkanausbruch. Deswegen wollen viele Experten möglichst jetzt schon eine Lösung für das Gas Problem am Kivu See suche und nicht erst bis zum Ende des Jahrhunderts damit warten. 2002 sind 50 Menschen gestorben und viele Dörfer sowie Teile der Kongoläsischen Stadt Goma zerstört. 

Und es gibt schon eine Lösung. Die 2 Hauptgase, die im See gespeichert sind, sind CO2 und Methan und Methan wird sehr gerne als Energiegas verwendet. Laut Schätzungen, sind im See genug Methan für ein Jahrhundert Strom gelagert und die ruandische Regierung mit Kooperation von einer US Firma haben bereits angefangen, dass Methan aus dem See zu pumpen und wollen, wenn alles nach Plan läuft, dies noch intensivieren. Die erste Pumpanlage ist nicht weit von Giseny und ich und Caroline haben uns schon überlegt, was dieser Leuchtturm/ Ölpumpanlage eigentlich ist. Es ist eine Methanpump anlage :D. Ruanda kann also mit dieser Aktion die Gefahr einer Explosion entgegenwirken und endlich mal genug Strom für das Land erzeugen. Dann muss es nicht jeden Tag 5 Stromausfällen kommen. Die Gefahr ist aber bei solchen großen Eingriffen in Ökosysteme, dass es sehr schwer einzuschätzen ist, wie das System oder der See darauf reagiert. Vielleicht kommt es durch berechnungsfehlern sogar noch früher zu einer explosion. Außerdem, kann die Aktion natürlich zu Problemen mit dem Nachbarland Kongo führen, weil Kongo natürlich auch Anspruch auf die Gasreserven fordert! Es bleibt also sehr sehr spannend am Kivu See!!



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