Montag, 5. Dezember 2016

Halbzeitbilanz: Würde ich gerne in Ruanda leben wenn ich aus Deutschland ausziehen müsste?



Ich habe jetzt schon ein bisschen mehr als die Hälfte meiner Zeit hier verbracht und habe jetzt das Gefühl, dass ich eine Halbzeitbilanz ziehen muss. Spätestens wenn ich mich in zwei Wochen von allen meine Freunden, inklusive Caroline, verabschiedet habe, beginnt für mich auch eine wahrscheinlich stark veränderte Ruanda Erfahrung. Ich werde für die finalen Abschlussprüfungen des Semesters lernen müssen, ich werde für die Bachelorarbeit nicht nur die Bäume vermessen sondern auch fällen und wiegen und ich werde mir andere Freunde suchen müssen. Ich freue mich auch schon auf den Besuch von Claire von Mitte Janaur bis Februar. Ich denke die zweite Hälfte wird, ähnlich wie die erste, unheimlich schnell vorrüber gehen! Die ersten 2-3 Dezember Wochen werden wahrscheinlich noch unheimlich entspannt, aber danach werde ich wahrscheinlich zur Selben Zeit von mitte-ende Dezember bis mitte Januar für die Prüfungen lernen müssen und die Bäume fällen. Ich denke das wird ein sehr stressiger Monat. Danach kommt mich dann Claire besuchen. Wenn Sie wieder weg ist, habe ich hier nur noch 2-3 Wochen und dann schreibe ich wahrscheinlich an meiner Bachelorarbeit und besuche noch ein paar Freunde und suche vielleicht Souveniers und sowas. 

Aber jetzt zu meinen Ruanda Eindrücken. Die Ruanda sind wahhhhhnsinnig ruhig, höflich, sehr freundlich und sehr hilfsbereit!! Wenn ich irgendein kleines Problem habe, zum Beispiel ich suche nach dem Weg, möchte etwas bestimmtes kaufen, habe eine Frage zu einem Vortrag den jemand hällt oder wenn ich vielleicht irgendetwas kleines wie einen Stuhl etc. gebrauchen könnte, dann ergreift eigentlich immer sofort irgendjemand die Initiative (ohne das ich Frage) und bringt mir einen Stuhl, oder übersetzt für mich oder erklärt mir den Weg etc. Das sich fremde Leute so sehr um mich kümmern, habe ich das letzte Mal in Indien erlebt, aber auch da war es wahrscheinlich nicht so stark ausgeprägt wie hier! Ich denke das liegt daran, dass in Entwicklungsländern wie Ruanda oder Indien, die Leute unheimlich viel Respekt vor Europa und Amerika haben und sich selbst möglichst gut Präsentieren wollen und möglichst viel Respekt zeigen wollen. Zweitens, habe ich den ganz starken Eindruck, dass sich viele Leute so ein bisschen schämen, dass Ruanda/ Indien nicht so schön ist wie das super schöne und super reiche und super moderne Deutschland und man möchte mir das Beste geben, dass sie haben damit ich nicht ganz so schlecht über Ruanda denke. Manchmal habe ich das Gefühl, als würden viele Leute hier denken „Ohhh der kommt aus einem super reichen Land in dem alles super super schön und super super hoch modern ist und bei uns ist alles kaputt. Wir müssen ihn jetzt so gut wie möglich unterstützen, weil er sich sonst in unserem verarmten unterentwickelten Land nicht wohl fühlt und mit schlechten Eindrücken nach Hause geht.“ Soooo hat das natürlich noch niemand ausgedrückt, aber manchmal habe ich das Gefühl, dass einige Leute so in diese Richtung denken. Aber das muss meiner Meinung nach nicht so sein. Ja, Einerseits ist es klar, dass Deutschland eine vieeeeel bessere Infrastruktur hat (also besseres Straßennetzt, modernere Straßen und Gebäuden, mehr Möglichkeiten in allen Bereichen etc.). Andererseits ist es absolut ausreichend und die Infrastruktur ist auch nicht das Wichtigste. Ich persönlich würde lieber im ruhigen Ruanda wohnen als zum Beispiel in Israel, das zwar wirtschaftlich sehr weit entwickelt ist, aber wo es jeden Tag zu Gewalt gegen Isralis und Palestinänsern kommt. Also Infrastruktur ist nicht auf dem selben Stand wie bei uns, aber ich will Ruanda ganz groß loben, dass die Leute hier so friedlich sind und das es zu den sichersten Ländern Afrikas zählt.

Trotzdem ist Ruanda glaube ich nicht das richtige Land für mich. Natürlich werde ich weiter in Deutschland leben keine Frage, aber wenn ich mich entscheiden müsste, würde ich wahrscheinlich lieber in Indien als in Ruanda leben. Ruanda und seine Bevölkerung ist in sehr vieler Hinsicht weeeeesentlich ruhiger, sauberer und leichter als Indien aber die Mentalität der Leute passt weniger zu mir als die der Indier denke ich. Eigentlich ist es so, dass die Ruanda cooler und aktiver und lustiger sind als die Indier. Zwar sind die meisten Ruanda sehr sehr schüchtern und nervös und "korrekt" sage ich mal, aber wenn immer sie die Möglichkeit haben zu tanzen und zu feiern, dann tuen sie das auch. Die Menschen hier lieben es raus zu gehen und zu tanzen und ein wenig zu trinken (nicht wie bei uns mit Komasaufen) und haben eingentlich ganz schön viel Spaß. Fast alle Leute hier, lieben es zu tanzen und sind fantastische Tänzer, dass ist echt beeindruckend! Aber was mich stört ist, dass mir Tanzen halt einfach gar nicht gefällt und ich in Europa sehr gerne in Bars gehe und mich da mit Freunden unterhalte und viele Witze mache. Deswegen hat mir Dublin auch so gut gefallen weil es so viele Pub’s/ Bars gibt. Die viele  Leute´mit denen ich zu tun hatte, sind viel zu schüchtern wenn sie sich unterhalten und es muss immer getanzt werden wenn Musik gespielt wird. Viele Leute verstehen meine Witze nicht und machen selber keine. Es ist vielleicht so ein bisschen so, dass die Leute denken ich bin verkrampft weil mir Tanzen nicht gefällt und ich verkrampft auf der Tanzfläche bin. Ich habe aber wiederum so ein bisschen das Gefühl, dass viele Leute auserhalb der Tanzfläche verkrampft sind :D. Also irgendwie passe ich nicht in diese Gesellschaft rein. Wenn wir nicht auch Fußball als Gesprächsthema hätten, hätten wir uns gar nichts zu sagen. Und in Indien ist das anders, weil die Leute da zwar auch ruhig und schüchtern mit mir reden (untereinander überhaupt nicht) aber es kaum Nachtklubs gibt und die Leute kaum Tanzen (kaum zu glauben ich weiß! Bollywood gibt uns da ein ganz anderes Bild). In Indien verbringt man die meiste Freizeit mit der Familie, schaut Fernsehen, spielt Schach und unterhält sich dann natürlich währenddessen. Deswegen hatte ich in Indien viele spannende und auch lustige Gespräche mit meinen Freunden und der Familie meiner Köchin. Das ist so eine Kultur und eine Freizeitgestaltung die besser zu mir passt und wo ich mich auch wohler Fühle. Ich vermisse das hier so ein bisschen.

Vielleicht kann man mal kurz zusammenfassen: Probleme habe ich hier absolut keine!! Es ist sehr sehr leicht in Ruanda zurecht zu kommen. Das Wetter ist  super, das essen ist gut, die Leute sind freundlich, alles ist gut. Es gibt überhaupt kein Problem und das ist ein riesen Pluspunkt!! Dann gefällt mir die Bachelorarbeit sehr gut und in dem einen Fach, dass mich interessiert lerne ich denke ich auch sehr viel! Von daher gibt es eigentlich nichts zu mekern. Dafür habe ehrlich gesagt auch nicht ganz so viel Spaß wie in Irland oder Indien und das ist ein bisschen Schade. Auf der anderen Seite hatte ich in Indien suuuuper Freunde mit denen ich mich absolut fantastisch verstanden habe. Auch die Arbeit war in Indien sehr schön, aber psychisch ganz schön hart, weil man sich natürlich um die Kinder im Projekt Sorgen gemacht hat und das Essen und Klima war ein Problem. In Indien hatte ich also viele Dinge die sehr sehr schön waren, aber auch viele Dinge die echt sehr schwer waren. So ähnlich war es auch in Irland. Mir hat die Arbeit gar nicht gefallen, aber dafür hatte ich in Dubin viel Spaß mit Freunden und habe viele neue, spannende, schöne und lustige Dinge unternommen.
Vielleicht kann man sagen, dass meine Zeit in Ruanda ein bisschen langweilig und ereignisloser ist, im Vergleich zu meiner Zeit in Indien oder Irland, aber dafür habe ich auch weniger Probleme.

Ehrlich gesagt wird das hier glaube ich erstmal mein letzter Auslandsaufenthalt für länger als 3 Monate sein. Ich habe im Moment nicht mehr die selbe Leidenschaft wie noch vor 5 Jahren als ich in Indien war. Wahrscheinlich werde ich das in 1 oder 2 Jahren wieder anders empfinden aber ich glaube danach gibt es erstmal eine Pause. Was ich eigentlich auf jeden Fall noch machen möchte, ist in den Sommersemesterferien für 2-3 Monate nach Russland oder Kirgisien oder so um mein Russisch soweit zu verbessern das es absolut flüssig ist und nicht nur dieses halb stotternde Russisch ist. Und ich bin schon fleißig dabei Französisch zu lernen und möchte 2-3 Monate nach Frankreich oder Belgien oder in die Schweiz um auch noch, wenn ich soweit bin, mein Französisch soweit zu verbessern, dass ich flüssig bin :). Das wäre schön wenn ich das könnte und hinbekommen würde :).
Sooo, aber jetzt erstmal Schluss mit diesem Eintrag. Nächste Woche geht’s weiter, mit meiner letzten Reise mit Caroline und wenn ich allen meinen Freunden hier Tschüss gesagt habe.

Bis zum nächsten Mal

12-13 Stunden Wochen und Safari im Akagera Nationalpark

Owei owei waren das harte Wochen. Ich habe für 3-4 Wochen jeden Tag wenn ich nicht gerade Vorlesungen hatte, für meine Bachelorarbeit gemessen und bin dafür immer um 6 Uhr aufgestanden und habe konzentriert und schnell gearbeitet. Nebenbei musste ich auch noch für einen Test lernen und aufpassen, dass ich im Unterricht nicht zu weit zurückfalle. Ich habe also von 7 bis 13 Uhr gearbeitet, schnell Mittag gegessen und danach ab in die Vorlesung von 14 bis 17 Uhr. Zu Hause angekommen, habe ich dann bis 20 Uhr für Prüfungen gelernt, Abend gegessen und um 22:00 Uhr bin ich total erschöpft ins Bett gefallen und am nächsten Tag das Selbe. Ich wollte so schnell wie möglich damit fertig werden, damit wir hoffentlich früher die Bäume fällen und ich mit der Projektarbeit fertig bin bevor mich Claire besuchen kommt. Außerdem brauche ich so langsam die Zeit um für die Prüfungen zu lernen. Und ich möchte ja noch meinen Blog schreiben, Französisch lernen und so ein paar eigene Recherchen zur Geographie in Ruanda und Afrika machen. Und vielleicht noch ein wenig lesen ab und zu. Naja es hat sehr viel Kraft gekostet, aber ich bin jetzt endlich fertig mit dem Vermessen und diese Woche wird bestimmt wieder ein bisschen lockerer. Ich muss zwar noch für Prüfungen lernen, habe jetzt aber viel mehr Zeit dafür, deswegen müsste das schon klappen :). 

Mal abgesehen von Vermessen und Studieren, war ich mit Caroline ein Wochenende am Reisen und wir sind zum Akagera Nationalpark gegangen. Am Freitag sind wir 6 Stunden zu einem kleien Ort nicht weit vom Park gefahren und habe dort den Abend verbracht und uns die kleine Stadt ein wenig angeguckt. Zu sehen gabs nicht viel, außer das wir nochmal ein wenig durch die Dörfer um die Stadt gelaufen sind.



Spannend wurde es aber erst am Samstag morgens, also wir im Akagera Nationalpark eine Safari Tour gemacht haben und viele Tiere auf freier Wildbahn gesehen haben. Wir haben viele Affen gesehen, Krokodile, Nilpferde, verschiedene Arten von Antilopen, Warzenschweine, Büffel, Zebras und zum Glück ganz viele Girrafen. Leider leider, haben wir keine Elefanten und keine Löwen gesehen. Der Fahrer und Führer hat uns gesagt, dass wir eine 50% Chance haben Elefanten zu sehen und nur ca. 20% für Löwen. Heute hatten wir leider kein Glück, schade. Aber esgab ganz viele schöne Girrafen und Zebras, von daher waren wir zufrieden. Wir haben morgens um 7 Uhr angefangen und die Tour hat 7 Stunden gedauert. Wir waren also um 14 Uhr wieder zu Hause und haben beschlossen noch am Selben Tag zurück gefahren.







Die Region um den Akagera Park, ist im Vergleich zum Rest von Ruanda viel trockener und heißer und hat deswegen auch so eine Steppenlandschaft, die „Trockensavanne“ genannt wird. Also eine Landschaft wie man sie aus dem Film „Die Götter müssen verrückt sein kennt“. Weiter im Osten geht es dann weiter mit dieser Art Landschaft in Tansaniea und Kenya. Beim Park gab es schon immer relativ wenig Bevölkerung, weil es hier die sehr gefährliche Tse Tse Fliege gibt, welche die sehr sehr tödliche „Schlafkrankheit“ verbreitet. Aber mittlerweile gibt es sie kaum noch und zweitens ist sie nachtaktiv. Man muss sich also absolut 100% keine Sorgen machen, wenn man im Auto unterwegs ist.



Bis in die 1990er, gab es hier sehr sehr viele Tiere, aber wegen dem Bürgerkrieg und weil die Bevölkerung wegen Platzmangel mehr Fläche für die Landwirtschaft braucht, wurde hier sehr viel Parkfläche gerodet und zerstört. Die Zahl der Tiere ist stark zurückgegangen und eine Nashornart wurde in der Region sogar komplett ausgerottet. Aber durch einen elektrischen Zaun und guter Schutzmaßnahmen hat sich die Zahl der Tiere seit dem 21 Jahrhundert wieder erhöht. Löwen, Elephanten und Leoparde gibt es immer noch sehr selten, aber sie tauchen wieder auf.  





Am Tag danach haben wir dann Freunde in einer kleinen Stadt namens Gassarenda besucht. Die Stadt ist ca. 2 von Huye entfernt und wir sind zu einem Wasserfall gegangen. Zum Wasserfall und zu einer sehr kleinen Höhle nebendran, kommen viele Einheimische um zu Beten oder die Bibel zu lesen und zu singen. Beten und Singen gehört hier zusammen :)!!! Der Wasserfall ist eigentlich ein schöner und ruhiger Platz und Austin, Irene und Didace (die alle in Gassarenda wohnen) sind sehr lustig!! Besonders Didace! Der Mann macht manchmal Sprüche…. :D :D. Wenn mich in 1 Monat alle meine Freunde verlassen, komme ich bestimmt nochmal nach Gassarenda um Didace zu besuchen und eine Freiwillige aus Deutschland zu besuchen die in dem Flüchtlingsheim arbeitet. 








Bachelorarbeit, European Film Festival und Congo-Nile-Trail



In den letzten zwei Wochen, hatte ich sowas von viel zu tun und das wird wohl auch für den nächsten Monat so bleiben. Die Vermessungen für die Bachelorarbeit sind erstens ganz schön schwer und zweitens sehr sehr Zeitaufwändig. Aaaaber ich denke es ist echt eine schöne Bachelorarbeit. Ich sitze nicht den ganzen Tag in der Bibliothek und lese mir irgendwelche unpraktischen Pädagogik Theorien durch, sondern ich bin draußen an der frischen Luft mache etwas Praktisches. Ich mache viel lieber praktische Arbeit draußen (im Gelände) also den ganzen Tag am PC zu sitzen. Deswegen, bin ich sehr zufrieden mit der Arbeit, auch wenn es schwer ist. Ich habe hier 12 Parzellen und muss den Namen von ca. 650 Bäume bestimmen, den Abstand zum Rand jeder Parzelle bestimmen, den Durchmesser der Bäume und die Höhe der Bäume Messen. Die Probleme sind, dass ich erstens kein Botaniker bin und deshalb keine Ahnung habe, wie die Bäume heißen bzw. wie ich die Bäume voneinander unterscheiden soll. Zweitens sind die Bäume zum Teil über 30m hoch und es stehen viele andere große Bäume direkt nebendran. Dann ist es schwer das Gerät richtig zu benutzen. Drittens arbeite ich leider alleine und für viele Bäume brauche ich jemanden der mir hilft, wenn ich die Messungen korrekt machen soll. Aber dafür lerne ich auch was dabei!!
 
Unter der Woche war in Huye das „European Film Festival“. Im Reichenviertel der Stadt wurde eine Leinwand aufgestellt und am Dienstag, Mittwoch und Donnerstag wurden jeweils zwei Europäische Filme gezeigt. Wir waren am Mittwoch da und haben eine Sammlung von Britischen Kurzfilmen, einen Ruandischen Kurzfilm und einen Holländischen Film gesehen. Der Eintritt war tatsächlich kostenlos und der Film wurde draußen gezeigt, weil Huye kein Kino hat. Und trotzdem sind leider leider keine Einheimischen gekommen… Das ist schade, weil die Film so Familienkomödien waren und eigentlich sehr gut zeigen wie Menschen in Europa wirklich leben und das auch Europäer Geld- und Karrieresorgen haben. Und es wäre bestimmt interessant für viele Ruanda auch mal europäisches Kino zu sehen!! Naja es war das erste Mal und vielleicht spricht sich das Event beim nächsten Mal etwas stärker rum. Am Ende waren wir leider nur 4 weiße und 2 Ruanda. Genial fand ich übrigens den Stromausfall in der Mitte des Films. Die Leinwand kann ohne Strom nicht stehen und ich dachte mir nur ja! Das ist symbolisch für Ruanda. Bei Stromausfall geht gar nichts mehr!!





Am zweiten Wochenende habe ich mit Caroline eine 3 Tage Wanderung entlang des Kivus Sees gemacht. Wir haben praktisch den ganzen Freitag gebraucht um von Huye nach Giseny im Norden des Sees zu fahren und haben den Abend in der sehr sehr schönen und modern wirkenden Stadt verbracht. Es gibt hier mehrere Strände, die Leute machen Sport auf Sportplätzen und am Strand. Die Straßen sehen fast so aus wie in Europa und es ist sehr sehr sauber. Sehr sehr schöne Stadt!! Wenn es nicht so weit weg wäre würde ich noch einmal für länger dorthin fahren. Es wäre sehr cool gewesen, wenn ich in Giseny und nicht in Huye leben würde. 


Wir haben die Wanderung dann am Samstag morgen gestartet und ging durch viele Dörfer entlang des Kivu See’s. Wir haben sehr viele aufgeregte schreiende Kinder gesehen die leidenschaftlich gerne „Muzungu“ geschrien haben und nach Geld gefragt haben. Außerdem haben wir ganz oft den See, Dörfer, Felder und Bananenbäume gesehen.    Der erste Tag war ca. 20km lang und sehr sehr schön. Aaaaaber auch ganz schön lang und es ging die ganze Zeit hoch und runter und der Weg nicht gut ausgebaut :D. Viele Leute machen die Tour mit dem Fahrrad, aber mit dem Fahrrad ist dieser Weg glaube ich extrem schwer. Die Straße ist katastrophal und es geht sehr oft steil nach oben. Wir waren also zu Fuß schon ganz schön platt nach der ersten Etappe. Aber das war noch gar nichts im Vergleich was uns in der zweiten Etappe erwartet hat!! Es hat sich nämlich rausgestellt, dass Unterkunft Nummer 2 schon seit Jahren nicht mehr geschlossen ist…. Das heißt, wir mussten zusätzlich zu den 18km von Etappe 2, noch die nächsten 10km von Etappe 3 laufen!!! Wir waren aber schon so kaputt, dass wir für die letzten 5km ein Motorradtaxi genommen haben. Was gut war, denn die „3.“ Unterkunft war so schlecht beschildert, dass wir sie vielleicht nicht gesehen hätten. Dafür war die Unterkunft auch sehr schön!! Dort war zu der Zeit ein Geographie Student aus Bayern, der in dieser Unterkunft ein Praktikum gemacht hat. Das Gästehaus betreibt eine Bäkerei die versucht ein paar gesunde Brötchen zu einem günstigen Preis bereitzustellen und sie versuchen im Moment einen Kindergarten zu bauen, damit die vielen Kinder in den Dörfern hier auch tagsüber mal was zu tun haben. Wir haben Abends ein Lagerfeuer gemacht, ein paar Bier getrunkten und uns geniale Geschichten von einem holländischen Priester angehört der schon seit Jahren in der Region wohnt und sich um die Leute hier kümmert. Er hat sich durch viele Aktionen Respekt von der Polizei verschafft :D und wird von niemanden mehr belästigt. Der 3 Tag war dann entspannter, aber dafür auch nicht mehr so schön. Wir haben eine Straße genommen, die gerade von Chinesen gebaut wird und sind auf direktem Wege zu einen kleinen Dorf gefahren, wo wir einen Bus nach Hause nehmen konnten. Der 3. Tag war wierklich nicht lang, aber wir waren so total erschöpft, dass auch der letzt Tag total anstrengend war. Es war sehr schön, aber ich glaube wir waren beide froh wieder zu Hause zu sein. Wenn ich Zeit habe, schreibe ich einen Artikel in Trip Advisor über die Wanderung und warne alle Leute, dass die zweite Unterkunft geschlossen ist :D. 







Ich schreibe jetzt noch etwas über den Kivu See an sich weil ich diese Geschichte sehr sehr spannend finde. Also die Wasserscheide zwischen einem Quellfluss des Nil und dem Fluss „Kongo“. Der See ist also die Grenze zwischen den Einzugsgebieten der zwei Flüsse. Das ist ganz cool, aber das eigentlich spannende ist, dass wie der Nyungwe Wald, auch der Kivu See absolut einzigartig ist! Jeder normale See wird mit zunehmender Tiefe immer kälter weil die Sonnenstrahlen irgendwann nicht mehr in die Tiefe strahlen.Der Kivu See wird aber mit zunehmender Tiefe immer wärmer! Das liegt !vor allem! daran, dass es unter dem See (und auch um den See herum) aktive Vulkane gibt und diese Vulkane warme Gase in den See geben. Normalerweise, würden sich gelöste Gase an die Oberfläche bewegen (wie zum Beispiel beim Laacher See in der Eifel) aber der sehr hohe Wasserdruck des Kivu Sees führt dazu, das der See diese Gase speichert. Um Gase zu speichern, muss ein See mindestens 250m tief sein und der See ist 485m tief. Aber auch der Kivu See hat eine maximale Grenze and Gasen, die er Speicher kann und diese ist laut Wikipedia im Moment bei 55%. Wenn die sich die Situation nicht verändert, wird die Grenze wahrscheinlich ende des Jahrhunderts überschritten und dann Explodiert der See und zerstört alles im Umkreis. Alle die die Explosion überleben, werden durch die Gase ersticken. Im Moment, währen das Millionen von Menschen. 

2002 ist der Kongoläsische Nyrangongo Vulkan an der Ruandischen Grenze ausgebrochen und viele Experten und Menschen hatten Angst, dass die starke Erruption das System des Sees schädigt und der See deshalb schon viel früher als Erwartet explodiert. Das wäre eine seeeeeeehhhhr viel größere Katastrophe gewesen als der Vulkanausbruch. Deswegen wollen viele Experten möglichst jetzt schon eine Lösung für das Gas Problem am Kivu See suche und nicht erst bis zum Ende des Jahrhunderts damit warten. 2002 sind 50 Menschen gestorben und viele Dörfer sowie Teile der Kongoläsischen Stadt Goma zerstört. 

Und es gibt schon eine Lösung. Die 2 Hauptgase, die im See gespeichert sind, sind CO2 und Methan und Methan wird sehr gerne als Energiegas verwendet. Laut Schätzungen, sind im See genug Methan für ein Jahrhundert Strom gelagert und die ruandische Regierung mit Kooperation von einer US Firma haben bereits angefangen, dass Methan aus dem See zu pumpen und wollen, wenn alles nach Plan läuft, dies noch intensivieren. Die erste Pumpanlage ist nicht weit von Giseny und ich und Caroline haben uns schon überlegt, was dieser Leuchtturm/ Ölpumpanlage eigentlich ist. Es ist eine Methanpump anlage :D. Ruanda kann also mit dieser Aktion die Gefahr einer Explosion entgegenwirken und endlich mal genug Strom für das Land erzeugen. Dann muss es nicht jeden Tag 5 Stromausfällen kommen. Die Gefahr ist aber bei solchen großen Eingriffen in Ökosysteme, dass es sehr schwer einzuschätzen ist, wie das System oder der See darauf reagiert. Vielleicht kommt es durch berechnungsfehlern sogar noch früher zu einer explosion. Außerdem, kann die Aktion natürlich zu Problemen mit dem Nachbarland Kongo führen, weil Kongo natürlich auch Anspruch auf die Gasreserven fordert! Es bleibt also sehr sehr spannend am Kivu See!!



Nyungwe Nationalpark

Diese Woche war ich ein bisschen schlecht gelaunt muss ich zugeben aber ich bin mir nicht sicher woran das liegt. Ich hatte nicht wirklich Heimweh, es ist nichts schlimmes oder besonders Nerviges passiert eigentlich. Vielleicht ist es eine Kombination von mehreren Kleinigkeiten. Zum Beispiel ist es ein wenig nervig das mich alle als den super reichen „Muzungu“ (weißen) sehen, oder dass mich die Motorradtaxi Fahrer immer von weitem rufen. Oder, dass der Unterricht so wahnsinnig lange dauert und langweilig ist. Aber das sind wirklich alles Kleinigkeiten die ich ohnehin so erwartet habe. Vielleicht war es jetzt einfach Mal so eine Phase die ich gebraucht habe. Vielleicht ist die neue Situation jetzt doch so anstrengend geworden, dass ich schlecht Laune bekommen habe. Sei’s drum, diese Woche geht’s wieder besser.

Im Prinzip ist diese Woche nichts Besonderes passiert, außer dass ich wieder angefangen habe zu joggen. Wegen den vielen und langen Hügeln, war ich sowas von kaputt als ich fertig war, aber dafür war es wahrscheinlich auch die schönste lauf Strecke die ich je gelaufen bin :D. Es ging durch einen kleinen Wald und mehrere Reisfelder mit Aussicht auf schöne Hügel im Hintergrund. Ich lade mal ein paar Bilder hoch. Ich bin echt nicht in Form im Moment, aber mein Ziel ist nach 2-3 Monaten den langen Hügel zu meinem Zimmer ohne Pause zu packen.     

Der Höhepunkt der Woche war aber ganz klar der Sonntag!! Am Sonntag bin ich mit Caroline und zwei Mädels aus Schweden, Moa und Viktoria, zum Nyungwe Nationalpark gefahren und wir haben eine sehr sehr schöne Wanderung gemacht!! Die Wanderung ging 6 Stunden und wir haben ein paar Affen, exotische Vögel und exotische Bäume gesehen. Außerdem gab es oft eine Super Aussicht auf den Park und wir haben 4 Wasserfälle gesehen! Wir hatten auf jeden Fall viel Spaß und ich hätte große Lust noch einmal eine andere Wanderung zu machen. Leider mussten wir uns zum Park ein Taxi teilen und wir mussten einen Führer für die Wanderung nehmen, sodass die ganze Aktion nicht so ganz billig war. Für die nächste Wanderung miete ich vielleicht ein Motorrad und mache die Wanderung ohne Führer (auch wenn das wohl leicht illegal ist, aber läuft sowieso keiner rum um zu kontrollieren). Wir haben also Geld liegen lassen, aber es ist nicht irgendein Nationalpark!




  
Ich will noch etwas zum Nationalpark schreiben. Der Nyungwe Wald ist kein tropischer Regenwald, sondern ein sogenannter „Nebelwald“. Tropische Regenwälder gibt es in Ruanda nicht. Der Unterschied zwischen dem Ruandischen Nebelwald und tropischen Regenwäldern wie dem in Kongo ist die Höhe. Der Nyungwe Wald liegt zwischen 1.500 und 2950m Höhe und ist damit der Höchste Wald in Afrika! Die Höhe macht den Wald in Afrika und der Welt absolut einzigartig weil es sehr viele Pflanzenarten, Vögel, Säugetiere und Schmetterlinge gibt, die NUR in tropischen Gebieten dieser Höhe vorkommen, also NUR im Nyungwewald. Es gibt 75 Säugetierarten, 310 Vogelarten und 120 Schmetterlingsarten von denen es viele nur in diesem Wald gibt. Der Botanik Professor an der Uni Koblenz, der regelmäßig nach Ruanda fliegt und oft schon seit Jahrzehnten zu Forschungszwecken in den Nyungwe geht, hat gesagt, dass es in diesem kleinen Wald eine größere Pflanzenvielfalt gibt, als in ganz Europa!! Also in einem 970km² Wald gibt es mehr verschiedene Arten von Pflanzen, als in einem 10.180.000km² großen Kontinent!!! Und der Prof. findet immer mal wieder eine neue Orchidee die noch nicht entdeckt und erfasst wurde und die meisten der Pflanzen wurden noch nicht richtig analysiert. Es gibt Hinweise, dass einige der Pflanzen zur Bekämpfung von Malaria eingesetzt werden könnten und deshalb ist es für viele Forscher sehr wichtig, dass der Wald noch lange erhalten bleibt.
Leider gibt es in Ruanda eine viel zu große Bevölkerung und nicht genug Platz für die Menschen um Nahrung anzubauen. Deshalb haben in den letzten 100 Jahren sehr viele Menschen weite Teile des Waldes gerodet um neue Anbauflächen zu bekommen, also zu überleben könnte man sagen. Der Wald steht seit 1933 unter Naturschutz, hat aber trotzdem 20% seiner Fläche wegen illegaler Rodung verloren. Seit 2005 hat der Wald den Status des Nationalparks und wird besonders stark geschützt. Seitdem ist die illegale Rodung auch stark zurückgegangen, aber der Wald wird immer noch stetig kleiner. Auch die Uni Koblenz hat in den letzten Jahren geholfen, den Wald zu beschützen und zu erhalten. Die Uni hat, mit vielen einheimischen Mitarbeitern, Bäume um den Wald herum gepflanzt und die betroffene Bevölkerung aufgeklärt und unterstützt, ihr Landwirtschaftssystem so umzustellen, dass sie ihre Erträge stark erhöhen können, ohne den Wald zu roden. Die Ergebnisse auf dem Forschungsfeld in Butare (wo ich die Projektarbeit für meine Bachelorarbeit mache) haben gezeigt, dass Agroforstwirtschaft in Ruanda funktioniert und die Uni versucht, die Menschen in der Nähe des Nyunge dafür zu motivieren und unterstützen auf dieses Landwirtschaftsmodell umzusteigen. Das Projekt wurde übrigens von der Bundesregierung finanziert, weil der Nyungwe Wald unheimlich viel CO2 verarbeitet und Speichert und deshalb für die Bekämpfung des Klimawandels wichtig ist. Der Nyungwe Wald ist also nicht nur für die Erhaltung der Tier- und Pflanzenwelt im Wald wichtig, oder für die Forscher, sondern Umweltschutz ist immer auch ein Stück weit eine weltweite Angelegenheit.