Freitag, 23. September 2016

Der Kivu-See bei Karongi/ Kibuye



An diesem Wochenende bin ich mit meiner neuen Freundin Caroline nach Karongi (früher Kibuye) gefahren. Caroline kommt aus Belgien und macht hier ein Praktikum am Pharmazie Institut in Butare bis Mitte Dezember. Wir haben beide gehört, dass Kibuye der schönste Ort am Kivu See sein soll und haben beschlossen für zwei Tage dorthin zu fahren. Kibuye selbst scheint ein sehr kleiner Ort am Kivu See zu sein bei dem es nichts besonders zu sehen oder zu tun gibt, aber die meisten Hotels in denen die Touristen übernachten liegen bis zu 10km von Kibuye entfernt. Wir hatten ein unfassbar geiles Hotel direkt am See mit großartiger Aussicht auf den See und seinen kleinen Inseln. Ich glaube es war das schönste Hotel in dem ich je übernachtet habe und das schönste Restaurant in dem ich je gegessen habe. Und es gibt ein paar unglaublich schöne Restaurants in Indien!!! Wow also das Hotel hat mich umgehauen und wir haben ungelogen NUR 25€ pro Person gezahlt!!! Das Essen im Restaurant war preislich wie in Butare nur 1 Stufe besser! Frühstückbuffet war inklusive im Preis und auch das Frühstück war fantastisch. Auf Trip Advisor gab es zum Teil sogar unheimlich schlechte Kritiken… Aber ich kann das null nachvollziehen. Ich glaube es kommen hin und wieder ein paar Europäische Touristen die meinen das man ein 25€ teures Zimmer in Ruanda mit einem 4Sterne Hotel auf Gran Canaria vergleichen kann. Also für 25€ pro Nacht gibt es sonst nirgendwo auf der Welt so eine geile Unterkunft!!






In der Nähe vom Hotel gab es einen kleinen leeren Strand bei dem außer uns beiden niemand war und wir sind ein wenig am Strand spazieren gegangen und diese Aussicht und das klare und saubere und relativ warme Wasser waren einfach unglaublich!! Wenn ich Zeit und Geld habe fahre ich vielleicht noch einmal hin! Es hat mir sehr sehr gut gefallen. Am Sonntagmorgen haben wir dann eine Bootstour nach „Napoleon/ Bat Island“ gemacht. „Napoleon“ weil die Insel die Form von Napoleons Hut hat und „Bat“ weil die Insel von mehreren tausend Fledermäusen bewohnt wird. Wir haben uns also für ca. 22€ pro Person zu dieser 10km entfernten Insel fahren lassen und konnten uns auf dem Weg die zahlreichen anderen Inseln anschauen. Auf „Bat Island“ selbst, hat uns der Fahrer und Führer auf den Gipfel der Insel geführt und uns einige der über tausend Fledermäuse gezeigt. Ich habe noch nie so viele Fledermäuse in so kurzer Distanz gesehen. Die Fledermäuse waren riesig, es gab sehr viele von ihnen und sie waren sehr sehr laut. Wir konnten aus nächster Nähe sehen wie sie umherfliegen und auf den Bäumen klettern. Ich fand das sehr spannend. Außerdem gab es auf der Insel sehr viel Kuh Mist und der Führer hat gesagt, dass auf dieser kleinen und von Pflanzen bedeckten Insel sogar Kühe leben sollen… Aber wir haben die Kühe weder gehört noch gesehen. Nur den Mist… Ich bin mir nicht sicher ob ich dem Führer das glaube :D. Klingt komisch…. Kühe auf so einer kleinen Insel. Aber auch der Gipfel der Insel war suuuper schön. Man hatte einen fantastischen Ausblick auf den See und die vielen kleinen Inseln um den See. Es war super!! Auch hier haben sich die 20€ voll gelohnt. Danach sind wir noch ein wenig in der Gegend spazieren gegangen und haben uns auf den Weg zurück gemacht. Super Wochenende! Das nächste Wochenende bin ich wohl in Butare, aber der nächste Ausflug geht dann vielleicht in einen der Nationalparks. 








Ugire Umuze Neza (Habe einen schönen Tag)!

Mittwoch, 21. September 2016

Genozid Gedenkstätten in und in der Umgebung von Kigali



Ich bin zwar nach Kigali gefahren um mein Führungszeugnis bei der Deutschen Botschaft zu beantragen, aber in den zwei Tagen Kigali habe ich mich vor allem mit dem Genozid in Ruanda 1994 beschäftigt und bin zu drei Gedenkstätten in und ein wenig außerhalb von Kigali gefahren. 

Zuerst war ich im Genozid Museum in Kigali. Im Museum gab es viele Infos über die Zeit vor, während und nach dem Völkermord und es gab viele Ausstellungsstücke wie Fotos, Kleidung und Gebeine der Opfer, sowie viele Geschichten und Aussagen von Überlebenden.

Was passiert ist war natürlich extrem hart, brutal und will ich zuerst einmal auch gar nicht im Detail aufschreiben. Ich komme später zu zwei unfassbaren Beispielen wenn ich über die anderen Gedenkstätten schreibe. Die Gedenkstätten beschreiben absichtlich detailliert was passiert ist um die Menschen damit zu konfrontieren und ihnen bewusst zu machen, wozu Menschen fähig sein können und um den Menschen bewusst zu machen, dass so etwas nicht wieder passieren darf. Um solche Konflikte frühzeitig zu erkennen und entgegenzuwirken, muss man die Geschichte verstehen und die fand ich sehr interessant. 

Hutu und Tutsi waren eigentlich schon immer ein Volk bzw. eine ethnische Gruppe. Sie sind Teil der sogenannten Bantu Völker. Die Wohlhabenden wurden bloß immer Tutsi genannt und die nicht wohlhabenden Hutu. Als dann die ersten Kolonialisten kamen (zuerst die Deutschen und nach dem 1 Weltkrieg dann die Belgier), haben sie behauptet und gelehrt, dass alle wirtschaftlich erfolgreichen irgendwie von den weißen abstammen müssen und die Bevölkerung in eine „genetisch überlegene“ Tutsi Rasse (die Minderheit) und eine „genetisch unterlegene“ Hutu Rasse eingeteilt. Dieser künstlich hergestellte Unterschied wurde dann sogar auf Ausweisen erfasst, damit jeder weiß ob er zu den überlegenen oder unterlegenen gehört. Besonders die Kirche hat in den neu eingeführten Schulen diese Einteilung unterrichtet. Und so hat eine Tutsi Minderheit über die Hutu regiert und die Kolonialisten über die Tutsi. 

Aber so in der 1950er Jahren wollten die Tutsi das Land gerne alleine regieren und strebten nach Unabhängigkeit. Daraufhin haben die Belgier angefangen die Tutsi zu vertreiben und die Hutu an die Macht zu führen. Als 1964 Ruanda schließlich unabhängig wurde, waren vor allem die Hutu an der Macht und haben nach Jahrhunderter langer Benachteiligung viele Angriffe, Propaganda und Hetze gegen Tutsi ausgeübt und sie aus dem Land nach Uganda vertrieben. Mit der Hilfe Ugandas kam es dann über die Jahre zu vielen Bürgerkriegen und Gefechten zwischen Hutu und Tutsi. Die Propaganda und der Druck gegen Tutsi wurde über die Jahre immer radikaler bis 1994 alle Hutu dazu gebracht wurden alle Tutsi und gemäßigte Hutu auf die schlimmsten Art und Weisen umzubringen. Man hat sich vor allem auf Frauen und Kinder konzentriert um die Tutsi  komplett auszurotten. Laut dem Museum ist es klar, dass die Französische Regierung die Hutu mindestens finanziell unterstützt hat aber und wahrscheinlich sogar ausgebildete Söldner unter die Angreifer geschmuggelt hat. Frankreich wollte die pro Französische Hutu Regierung unterstützten. Vielleicht habe ich hier deshalb noch keine Franzosen gesehen. Sonst laufen überall auf der Welt immer so viele Franzosen rum. Vielleicht sind Franzosen hier unbeliebt. 

Heute sind „Tutsi“ und „Hutu“ taboo Wörter und man versucht immer wieder zu betonen, dass die hier lebenden Menschen „Ruandesen“ sind und das es diesen Unterschied eigentlich gar nicht gibt. Laut Museum gibt es viele Projekte in denen überlebende in den Schulen Aufklärungsarbeit machen und dabei immer betonen, dass alle Einwohner Ruandas „Ruandesen“ sind. 






Am nächsten Tag war ich dann bei den beiden Genozid Gedenkstätten Nyamata und Ntarama. Das sind zwei Kirchen in zwei kleinen Orten ca. 30km von Kigali. Es ist relativ schwer dort hinzukommen und die Gegend ist relativ heiß im Vergleich zu Butare und Kigali. Aber man sieht wie das ländlichere Ruanda aussieht und man lernt an den Gedenkstätten mehr darüber was genau passiert ist. 

Vor dem Genozid gab es immer wieder Angriffe und Verfolgung gegen die Tutsi. Aber die Pastoren der Kirche in Nyamata und Ntarama hatten immer genug Einfluss um schutzsuchende zu beschützen. Aber in den 3 Monaten Genozid 1994 gab es keine Regeln mehr. Die Angreifer haben ca. 1.000 Menschen in der Kirche von Nyamata ermordet und weitere 45.000 Menschen in Nyamata selbst. Die Angreifer haben mit Granaten und Gewehren die Kirche aufgesprengt und danach die Menschen erschossen, mit der Machete und Knüppeln erschlagen. Die Gedenkstätte ist gefüllt mit Kleidung und Schädel der Opfer. Wenn man sich die Schädel anguckt, erkennt man sehr deutlich wer erschossen, mit der Machete erstochen oder mit dem Knüppel erschlagen wurde. Was ich unfassbar fand war, dass Frauen nicht nur vergewaltigt und erschossen wurden, sondern die Angreifer haben oft auch einen langen Stock genommen und ihn durch den Vaginalbereich der Frau und durch den Körper gestoßen. Wieso auch immer… sowas verstehe ich einfach nicht….






Aber was in Ntarama passiert ist fand ich fast noch schlimmer und schwieriger zu verarbeiten. Ntarama ist ein kleines Dorf, dass mit dem Motorradtaxi 5 bis 10min von Nyamata entfernt ist. In der Kirche von Ntarama wurden 5.000 Menschen ermordet und auch hier kann man sehen, wie die Angreifer mit Granaten das Gebäude zerstört haben und es gibt Schädel, Kleidung und ein paar persönliche Gegenstände der Opfer. Das schlimmste war aber ein kleiner Raum in dem man heute noch einen dunklen Blutfleck sehen kann. In diesem Raum wurden Frauen mit ihren Babys und Kleinkindern gebracht um dann vor den Augen der Mütter die Babys mit voller Kraft gegen die Wand zu schlagen….. Unfassbar das Menschen so etwas machen können und viele dieser Menschen laufen heute zumindest nach außen hin friedlich durch die Gegend. Aber es scheint als haben die meisten Opfer den Angreifern vergeben und zumindest meine Generation und die nächste Generation konzentriert sich darauf das Land wirtschaftlich und sozial weiterzuentwickeln und das ist glaube ich schon der richtige Weg.    






Das war jetzt mal ein düsterer Beitrag, aber ich bin zuversichtlich dass demnächst wieder ein schöner Beitrag kommt. Schließlich fahre ich nächstes Wochenende zum Kivu See.

Bis dann

Freitag, 16. September 2016

Kigali – Das erste richtige Mal in der Hauptstadt Ruanda

Da ich für ein Studenten Visa ein neues polizeiliches Führungszeugnis brache, musste ich am Donnerstag um 5 Uhr aufstehen, damit ich pünktlich um 9:30 Uhr bei der deutschen Botschaft in Kigali sein konnte. Die Straße auf der sich die Botschaft und das Goethe Institut befinden, ist sehr schön grün und vor allem ruhig, aber trotzdem sehr zentral. Da freuen sich bestimmt die deutschen Diplomaten und Goethe-Institut Leute.
Kigali ist die Hauptstadt von Ruanda, hat ca. 1.000.000 Einwohner und liegt auf bzw. zwischen zwei Hügeln. Das heißt, man fährt sehr oft entweder steil nach oben oder steil nach unten. Steil nach unten ist mit dem Motorradtaxi und dem Verkehr und vor allem auch den Kreiseln ein bisschen beängstigend :D. Aber ich glaube man gewöhnt sich dran.
Kigali hat zum Teil eine suuuuper Infrastruktur verglichen mit dem wie sich die Menschen aus dem globalen Norden Afrika so Vorstellen. Es gibt alle Arten von Geschäften, Straßen und Einrichtungen. Alles sieht sehr sauber und neu aus. Besonders die Neustadt ist sehr modern und beeindruckend. Andererseits erkennt man von weitem auch viele Gegenden mit Schotterstraßen und etwas schmutzig und einfach aussehenden Wohnhäusern. Ich habe den Eindruck, dass es in Kigali viele Reiche und viele Arme gibt.   
Im Vergleich zu Butare ist hier auch viel mehr Leben auf den Straßen, mehr Menschen, mehr Verkehr, die Leute können besser Englisch (wie in den Indischen Großstädten), viele sehen noch westlicher und wohlhabender aus. Es gibt Einkaufszentren mit Fast Food Restaurants (kein McDonalds) und theoretisch auch ein Kino, das aber leider geschlossen hat im Moment :/. Buchläden habe ich bisher leider nur 3 kleine gefunden, die leider auch nur alte Romane Verkaufen. Und viele dieser Romane sind solche blöden Klischee Romantik Geschichten :( :(. Aber ich habe trotzdem zwei interessante Bücher gefunden.






In Kigali hat mir das muslimische Viertel besonders gefallen. Hier gibt es eine große Moschee und in der Gegend gibt es viele Cafés, Restaurants und Souvenirläden. Dieses Gebiet war auch bisher das chaotischste und ich sage mal das dynamischste Gebiet im sonst so ruhigen Ruanda.
Ich muss wohl noch einmal herkommen um in die Bars und Diskos zu gehen, aber Kigali hat leider fast deutsche Preise, deswegen vielleicht auch nur einmal. Die Bar vom berühmten „Hotel Ruanda“ Hotel wurde mir von einem Amerikaner empfohlen. Der Film wurde aber in Südafrika gedreht, deswegen werde ich die Bar und den Pool nicht wiedererkennen.
Naja mehr von Kigali im nächsten Beitrag zu den Genozid Gedenkstätten und wenn ich wieder hier bin. Schöne und dynamische Stadt!! Nur leider ein wenig teuer...

Tschau! Bzw. Murabeho!






Dienstag, 13. September 2016

Die Erforschung des Uni Campus



Der Uni Campus macht einen sehr schönen ersten Eindruck jetzt nach den ersten zwei Wochen. Besonders gefallen haben mir die vielen Sportplätze, auf denen man Fußball, Basketball, Volleyball und Tennis spielen kann. Gut der Nachteil an den Plätzen ist, dass sie keinen Schatten haben und man also unter der gnadenlosen Sonne spielen muss, aber sobald hier mal die Uni wieder anfängt und ein paar Studenten Fußball oder Volleyball spielen bin ich sofort am Start und zeige denen wie das richtig geht. Leider gibt es keinen Tischtennis Tisch, aber ich glaube wenn dann könnte bei aller Bescheidenheit ohnehin keiner mit mir Mithalten :D. Die Mitarbeiter auf dem Campus reden ordentliches bis super Englisch sodass ich auf dem Campus selbst noch kaum Sprachprobleme hatte. Außerhalb vom Campus können die meisten Leute auch Englisch, aber es gibt schon einige die nur sehr wenig können, oder nur Französisch als Fremdsprache oder nur die lokale Sprache „Kinyarwanda“. Bei den Studenten ist es so, dass ich schon zwei getroffen habe die nur sehr sehr wenig Englisch können. Wenn die Vorlesungen auf Englisch sind, dann frage ich mich schon wie die irgendetwas von dem Mitnehmen was der Dozent erzählt. Aber das sehe ich dann wohl wenn es soweit ist :D. Interessant finde ich das die Ruanda immer so erstaunt sind wenn ich sage, dass Vorlesungen in Deutschland auf Deutsch sind, wenn man nicht gerade Englisch studiert oder spezielle Vorlesungen besucht die extra für Ausländer gehalten werden. Dann gibt es auf dem Campus einen Computer Saal, den ich noch nicht gesehen habe, eine Cafeteria, eine Bar bei der es auch etwas zu Essen gibt und natürlich eine Bibliothek bei der es in der Geographie Abteilung glaube ich auch alle notwendigen und ein paar interessante Bücher gibt. Einige Bücher sind leider uralt, andere sind nur auf Französisch, aber es gibt einige Interessante in der Sammlung. Ah und natürlich gibt es auch WLAN auf dem Campusgelände, aber das war bisher immer so schwach, dass ich das Internet von meinem Handy benutzt habe. Was ich auch schön finde, sind die Grünflächen mit Schatten auf die man sich hinsetzten kann. Aber das bisher coolste am Campus waren die Affen die ich jetzt schon zwei Mal gesehen habe. Da war einfach eine Bande Affen die mal eben so auf den Bäumen des Geländes rumgelaufen sind. Aber ich habe mir sagen lassen, dass die absolut harmlos sind :). Tja in Deutschland muss man in den Zoo gehen um solche Affen zu sehen. Bei mir laufen die auf dem Campus Gelände rum :D.