Mittwoch, 21. September 2016

Genozid Gedenkstätten in und in der Umgebung von Kigali



Ich bin zwar nach Kigali gefahren um mein Führungszeugnis bei der Deutschen Botschaft zu beantragen, aber in den zwei Tagen Kigali habe ich mich vor allem mit dem Genozid in Ruanda 1994 beschäftigt und bin zu drei Gedenkstätten in und ein wenig außerhalb von Kigali gefahren. 

Zuerst war ich im Genozid Museum in Kigali. Im Museum gab es viele Infos über die Zeit vor, während und nach dem Völkermord und es gab viele Ausstellungsstücke wie Fotos, Kleidung und Gebeine der Opfer, sowie viele Geschichten und Aussagen von Überlebenden.

Was passiert ist war natürlich extrem hart, brutal und will ich zuerst einmal auch gar nicht im Detail aufschreiben. Ich komme später zu zwei unfassbaren Beispielen wenn ich über die anderen Gedenkstätten schreibe. Die Gedenkstätten beschreiben absichtlich detailliert was passiert ist um die Menschen damit zu konfrontieren und ihnen bewusst zu machen, wozu Menschen fähig sein können und um den Menschen bewusst zu machen, dass so etwas nicht wieder passieren darf. Um solche Konflikte frühzeitig zu erkennen und entgegenzuwirken, muss man die Geschichte verstehen und die fand ich sehr interessant. 

Hutu und Tutsi waren eigentlich schon immer ein Volk bzw. eine ethnische Gruppe. Sie sind Teil der sogenannten Bantu Völker. Die Wohlhabenden wurden bloß immer Tutsi genannt und die nicht wohlhabenden Hutu. Als dann die ersten Kolonialisten kamen (zuerst die Deutschen und nach dem 1 Weltkrieg dann die Belgier), haben sie behauptet und gelehrt, dass alle wirtschaftlich erfolgreichen irgendwie von den weißen abstammen müssen und die Bevölkerung in eine „genetisch überlegene“ Tutsi Rasse (die Minderheit) und eine „genetisch unterlegene“ Hutu Rasse eingeteilt. Dieser künstlich hergestellte Unterschied wurde dann sogar auf Ausweisen erfasst, damit jeder weiß ob er zu den überlegenen oder unterlegenen gehört. Besonders die Kirche hat in den neu eingeführten Schulen diese Einteilung unterrichtet. Und so hat eine Tutsi Minderheit über die Hutu regiert und die Kolonialisten über die Tutsi. 

Aber so in der 1950er Jahren wollten die Tutsi das Land gerne alleine regieren und strebten nach Unabhängigkeit. Daraufhin haben die Belgier angefangen die Tutsi zu vertreiben und die Hutu an die Macht zu führen. Als 1964 Ruanda schließlich unabhängig wurde, waren vor allem die Hutu an der Macht und haben nach Jahrhunderter langer Benachteiligung viele Angriffe, Propaganda und Hetze gegen Tutsi ausgeübt und sie aus dem Land nach Uganda vertrieben. Mit der Hilfe Ugandas kam es dann über die Jahre zu vielen Bürgerkriegen und Gefechten zwischen Hutu und Tutsi. Die Propaganda und der Druck gegen Tutsi wurde über die Jahre immer radikaler bis 1994 alle Hutu dazu gebracht wurden alle Tutsi und gemäßigte Hutu auf die schlimmsten Art und Weisen umzubringen. Man hat sich vor allem auf Frauen und Kinder konzentriert um die Tutsi  komplett auszurotten. Laut dem Museum ist es klar, dass die Französische Regierung die Hutu mindestens finanziell unterstützt hat aber und wahrscheinlich sogar ausgebildete Söldner unter die Angreifer geschmuggelt hat. Frankreich wollte die pro Französische Hutu Regierung unterstützten. Vielleicht habe ich hier deshalb noch keine Franzosen gesehen. Sonst laufen überall auf der Welt immer so viele Franzosen rum. Vielleicht sind Franzosen hier unbeliebt. 

Heute sind „Tutsi“ und „Hutu“ taboo Wörter und man versucht immer wieder zu betonen, dass die hier lebenden Menschen „Ruandesen“ sind und das es diesen Unterschied eigentlich gar nicht gibt. Laut Museum gibt es viele Projekte in denen überlebende in den Schulen Aufklärungsarbeit machen und dabei immer betonen, dass alle Einwohner Ruandas „Ruandesen“ sind. 






Am nächsten Tag war ich dann bei den beiden Genozid Gedenkstätten Nyamata und Ntarama. Das sind zwei Kirchen in zwei kleinen Orten ca. 30km von Kigali. Es ist relativ schwer dort hinzukommen und die Gegend ist relativ heiß im Vergleich zu Butare und Kigali. Aber man sieht wie das ländlichere Ruanda aussieht und man lernt an den Gedenkstätten mehr darüber was genau passiert ist. 

Vor dem Genozid gab es immer wieder Angriffe und Verfolgung gegen die Tutsi. Aber die Pastoren der Kirche in Nyamata und Ntarama hatten immer genug Einfluss um schutzsuchende zu beschützen. Aber in den 3 Monaten Genozid 1994 gab es keine Regeln mehr. Die Angreifer haben ca. 1.000 Menschen in der Kirche von Nyamata ermordet und weitere 45.000 Menschen in Nyamata selbst. Die Angreifer haben mit Granaten und Gewehren die Kirche aufgesprengt und danach die Menschen erschossen, mit der Machete und Knüppeln erschlagen. Die Gedenkstätte ist gefüllt mit Kleidung und Schädel der Opfer. Wenn man sich die Schädel anguckt, erkennt man sehr deutlich wer erschossen, mit der Machete erstochen oder mit dem Knüppel erschlagen wurde. Was ich unfassbar fand war, dass Frauen nicht nur vergewaltigt und erschossen wurden, sondern die Angreifer haben oft auch einen langen Stock genommen und ihn durch den Vaginalbereich der Frau und durch den Körper gestoßen. Wieso auch immer… sowas verstehe ich einfach nicht….






Aber was in Ntarama passiert ist fand ich fast noch schlimmer und schwieriger zu verarbeiten. Ntarama ist ein kleines Dorf, dass mit dem Motorradtaxi 5 bis 10min von Nyamata entfernt ist. In der Kirche von Ntarama wurden 5.000 Menschen ermordet und auch hier kann man sehen, wie die Angreifer mit Granaten das Gebäude zerstört haben und es gibt Schädel, Kleidung und ein paar persönliche Gegenstände der Opfer. Das schlimmste war aber ein kleiner Raum in dem man heute noch einen dunklen Blutfleck sehen kann. In diesem Raum wurden Frauen mit ihren Babys und Kleinkindern gebracht um dann vor den Augen der Mütter die Babys mit voller Kraft gegen die Wand zu schlagen….. Unfassbar das Menschen so etwas machen können und viele dieser Menschen laufen heute zumindest nach außen hin friedlich durch die Gegend. Aber es scheint als haben die meisten Opfer den Angreifern vergeben und zumindest meine Generation und die nächste Generation konzentriert sich darauf das Land wirtschaftlich und sozial weiterzuentwickeln und das ist glaube ich schon der richtige Weg.    






Das war jetzt mal ein düsterer Beitrag, aber ich bin zuversichtlich dass demnächst wieder ein schöner Beitrag kommt. Schließlich fahre ich nächstes Wochenende zum Kivu See.

Bis dann

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