Ich bin zwar nach Kigali gefahren
um mein Führungszeugnis bei der Deutschen Botschaft zu beantragen, aber in den
zwei Tagen Kigali habe ich mich vor allem mit dem Genozid in Ruanda 1994
beschäftigt und bin zu drei Gedenkstätten in und ein wenig außerhalb von Kigali
gefahren.
Zuerst war ich im Genozid Museum
in Kigali. Im Museum gab es viele Infos über die Zeit vor, während und nach dem
Völkermord und es gab viele Ausstellungsstücke wie Fotos, Kleidung und Gebeine
der Opfer, sowie viele Geschichten und Aussagen von Überlebenden.
Was passiert ist war natürlich
extrem hart, brutal und will ich zuerst einmal auch gar nicht im Detail
aufschreiben. Ich komme später zu zwei unfassbaren Beispielen wenn ich über die
anderen Gedenkstätten schreibe. Die Gedenkstätten beschreiben absichtlich
detailliert was passiert ist um die Menschen damit zu konfrontieren und ihnen
bewusst zu machen, wozu Menschen fähig sein können und um den Menschen bewusst
zu machen, dass so etwas nicht wieder passieren darf. Um solche Konflikte frühzeitig
zu erkennen und entgegenzuwirken, muss man die Geschichte verstehen und die
fand ich sehr interessant.
Hutu und Tutsi waren eigentlich
schon immer ein Volk bzw. eine ethnische Gruppe. Sie sind Teil der sogenannten
Bantu Völker. Die Wohlhabenden wurden bloß immer Tutsi genannt und die nicht
wohlhabenden Hutu. Als dann die ersten Kolonialisten kamen (zuerst die
Deutschen und nach dem 1 Weltkrieg dann die Belgier), haben sie behauptet und
gelehrt, dass alle wirtschaftlich erfolgreichen irgendwie von den weißen
abstammen müssen und die Bevölkerung in eine „genetisch überlegene“ Tutsi Rasse
(die Minderheit) und eine „genetisch unterlegene“ Hutu Rasse eingeteilt. Dieser
künstlich hergestellte Unterschied wurde dann sogar auf Ausweisen erfasst,
damit jeder weiß ob er zu den überlegenen oder unterlegenen gehört. Besonders
die Kirche hat in den neu eingeführten Schulen diese Einteilung unterrichtet.
Und so hat eine Tutsi Minderheit über die Hutu regiert und die Kolonialisten
über die Tutsi.
Aber so in der 1950er Jahren
wollten die Tutsi das Land gerne alleine regieren und strebten nach
Unabhängigkeit. Daraufhin haben die Belgier angefangen die Tutsi zu vertreiben
und die Hutu an die Macht zu führen. Als 1964 Ruanda schließlich unabhängig wurde,
waren vor allem die Hutu an der Macht und haben nach Jahrhunderter langer
Benachteiligung viele Angriffe, Propaganda und Hetze gegen Tutsi ausgeübt und
sie aus dem Land nach Uganda vertrieben. Mit der Hilfe Ugandas kam es dann über
die Jahre zu vielen Bürgerkriegen und Gefechten zwischen Hutu und Tutsi. Die
Propaganda und der Druck gegen Tutsi wurde über die Jahre immer radikaler bis
1994 alle Hutu dazu gebracht wurden alle Tutsi und gemäßigte Hutu auf die
schlimmsten Art und Weisen umzubringen. Man hat sich vor allem auf Frauen und
Kinder konzentriert um die Tutsi
komplett auszurotten. Laut dem Museum ist es klar, dass die Französische
Regierung die Hutu mindestens finanziell unterstützt hat aber und wahrscheinlich
sogar ausgebildete Söldner unter die Angreifer geschmuggelt hat. Frankreich
wollte die pro Französische Hutu Regierung unterstützten. Vielleicht habe ich
hier deshalb noch keine Franzosen gesehen. Sonst laufen überall auf der Welt
immer so viele Franzosen rum. Vielleicht sind Franzosen hier unbeliebt.
Heute sind „Tutsi“ und „Hutu“
taboo Wörter und man versucht immer wieder zu betonen, dass die hier lebenden
Menschen „Ruandesen“ sind und das es diesen Unterschied eigentlich gar nicht
gibt. Laut Museum gibt es viele Projekte in denen überlebende in den Schulen
Aufklärungsarbeit machen und dabei immer betonen, dass alle Einwohner Ruandas
„Ruandesen“ sind.
Am nächsten Tag war ich dann bei
den beiden Genozid Gedenkstätten Nyamata und Ntarama. Das sind zwei Kirchen in
zwei kleinen Orten ca. 30km von Kigali. Es ist relativ schwer dort hinzukommen
und die Gegend ist relativ heiß im Vergleich zu Butare und Kigali. Aber man
sieht wie das ländlichere Ruanda aussieht und man lernt an den Gedenkstätten
mehr darüber was genau passiert ist.
Vor dem Genozid gab es immer
wieder Angriffe und Verfolgung gegen die Tutsi. Aber die Pastoren der Kirche in
Nyamata und Ntarama hatten immer genug Einfluss um schutzsuchende zu
beschützen. Aber in den 3 Monaten Genozid 1994 gab es keine Regeln mehr. Die
Angreifer haben ca. 1.000 Menschen in der Kirche von Nyamata ermordet und
weitere 45.000 Menschen in Nyamata selbst. Die Angreifer haben mit Granaten und
Gewehren die Kirche aufgesprengt und danach die Menschen erschossen, mit der
Machete und Knüppeln erschlagen. Die Gedenkstätte ist gefüllt mit Kleidung und
Schädel der Opfer. Wenn man sich die Schädel anguckt, erkennt man sehr deutlich
wer erschossen, mit der Machete erstochen oder mit dem Knüppel erschlagen
wurde. Was ich unfassbar fand war, dass Frauen nicht nur vergewaltigt und
erschossen wurden, sondern die Angreifer haben oft auch einen langen Stock
genommen und ihn durch den Vaginalbereich der Frau und durch den Körper
gestoßen. Wieso auch immer… sowas verstehe ich einfach nicht….
Aber was in Ntarama passiert ist
fand ich fast noch schlimmer und schwieriger zu verarbeiten. Ntarama ist ein
kleines Dorf, dass mit dem Motorradtaxi 5 bis 10min von Nyamata entfernt ist.
In der Kirche von Ntarama wurden 5.000 Menschen ermordet und auch hier kann man
sehen, wie die Angreifer mit Granaten das Gebäude zerstört haben und es gibt
Schädel, Kleidung und ein paar persönliche Gegenstände der Opfer. Das
schlimmste war aber ein kleiner Raum in dem man heute noch einen dunklen
Blutfleck sehen kann. In diesem Raum wurden Frauen mit ihren Babys und
Kleinkindern gebracht um dann vor den Augen der Mütter die Babys mit voller
Kraft gegen die Wand zu schlagen….. Unfassbar das Menschen so etwas machen
können und viele dieser Menschen laufen heute zumindest nach außen
hin friedlich durch die Gegend. Aber es scheint als haben die meisten Opfer den
Angreifern vergeben und zumindest meine Generation und die nächste Generation
konzentriert sich darauf das Land wirtschaftlich und sozial weiterzuentwickeln
und das ist glaube ich schon der richtige Weg.
Das war jetzt mal ein düsterer
Beitrag, aber ich bin zuversichtlich dass demnächst wieder ein schöner Beitrag
kommt. Schließlich fahre ich nächstes Wochenende zum Kivu See.
Bis dann
Bis dann












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