Eine Woche vor Weihnachten habe ich mich dann auch
schließlich von Caroline verabschieded. Caroline’s Chefs haben ein Taxi
bestellt, dass sie zum Flughafen gebracht hat und weil ich eh nichts zu tun hatte
und noch ein Platz frei war bin ich sogar mitgekommen. Ca. 6 Stunden Autofahren
ist gar nicht so wenig, aber es immer interessant sich mit anderen Leuten zu
unterhalten die auch Englisch können. Wir haben Caroline abgesetzt, danach noch
ein paar wenige Kleinigkeiten in Kigali erledigt und haben uns zum Schaschlik
Essen mit einem Pharamzie Professor aus Kamerun getroffen. Schaschlik ist hier
das typische „Geschäftsessen“ wenn man oberer Mittelstand ist und sich mal was
gönnen will. Das waren sehr witzige Leute und sie waren sehr stolz auf Kigali.
Sie haben ganz stolz gesagt, das Kigali mindestens genau so modern ist wie
Lüttich in Belgien und um einiges sauberer. Die Stadt hat vor kurzem eine
riesige und super moderne Kongresshalle eröffnet und Plant wohl einen neuen
Flughafen, der größer sein soll als der in London. Ruanda entwickelt sich also
ganz schnell und wird vielleicht schon in 15 bis 20 Jahren auf dem
Entwicklungsstand von Belgien sein. Und das stimmt auch alles was erzählt wurde
aber ein bisschen kritisieren muss ich schon. Es stimmt, dass Kigali sauberer
ist als Mainz, Frankfurt oder Berlin und es stimmt auch das diese Kongresshalle
super modern aussieht. Aber ich habe im Moment so ein bisschen das Gefühl, als
würde Ruanda fast nur in Kigali investieren. Das hat bestimmt seinen Grund und
ich hoffe, dass das die richtige Methode ist. Ich bin kein Volkswirtschaftler
ich kenne mich nicht aus! Aber es ist so, dass der absolute Großteil der
Bevölkerung in Dörfern wohnt und weniger als 30€ im Monat verdienen. In Dörfern
gibt es oft weder Krankenhaus, noch eine weiterführende Schule in der Nähe. Es
gibt zwar Grundschulen, aber nachdem die Kinder gerade lesen, rechnen und
schreiben lernen hört es danach auf mit der Bildung. Viele Haushalte in Dörfern
haben keine Strom und Wasserversorgung. Ja das Land entwickelt sich,
Touristische Orte haben oft eine gute Infrastruktur mit guten Straßen und
Gebäuden. Kleinere Städte wie Huye entwicklen sich auch langsam aber sich. Aber
ich hoffe, dass nicht nur in die Städte investiert wird und nicht nur die
ohnehin schon wohlhabenden von der Entwicklung profitiert, sondern das sich
auch die Bedingungen in den Dörfern bald merklich verbessert. Ich habe gehört,
dass das auch so ist und jetzt viel mehr Haushalte in Dörfern zugang zu
Trinkwasser und Strom haben. Das es fast überall Grundschulen gibt, ist auch
relativ neu von daher tut sich auch dort was und das ist gut! Im Moment und das
muss man auch dazu sagen, sehe ich aber noch sehr sehr starke unterschiede
zwischen Kigali und dem Rest des Landes. Und ich bin mir nicht sicher ob ein
neuer Flughafen, der größer sein soll als der Londoner, so eine gute Idee
ist.... Aber ich kenne mich wie gesagt auch nicht aus.
Zu Weihnachten wurde ich von einer netten Frau eingeladen, die an der Uni arbeitet und die Studenten als Studenten registriert. Sie und ihre Familie leben in einem sehr wohlhabenden Teil von Huye und die ganze Familie scheint eine sehr wohlhabende Familie zu sein. Ihre 16 jährige Tochter hat mir erzählt das praktisch 2 Onkel Medizin in Peking studiert haben, 1 Onkel ist der wohl der Bürgermeister von Kigali, 2 weitere Neffen Studieren gerade Wirtschaft und Medizin in Belgien, eine Schwester geht gerade in Essen zur Schule, der Vater ist ein Arzt in Kigali und die Mutter hat wie gesagt eine größere Stelle an der Uni. Das Mädchen konnte mit ihren 16 Jahren besser Englisch als die meisten meinner Freunde in Deutschland oder Caroline und war auch in ihrem ganzen Verhalten und so wie sie redet sehr westlich geprägt. Also man könnte auch meinen sie ein 16 jährige Deutsche die gerade die 10. Klasse mit 1, abgeschlossen hat. Naja aber diese Frau hat nicht nur mich eingeladen, sondern auch noch 30 weitere Studenten. Das waren aber nicht irgendwelche Studenten, sondern alles Weisenkinder, die ihre Familie während des Genozids vor 20 Jahren verloren haben. Wir haben zusammen gegessen und danach zusammen gefeiert. Es war ein sehr sehr anderes Weihnachten als bei uns in Deutschland oder in Indien, aber sehr schön!! Wir haben bis 2:30 Uhr morgens gefeiert und vor dem Essen, um Mitternacht (Jesus ist schließlich um Mitternacht geboren) und bevor wir gegangen sind, haben wir gebetet und jeder hat sich bedankt, dass er eingeladen wurde und danach haben wir religiöse Lieder gesungen. Es war also ziemlich schön und ich bin froh das ich das miterleben durfte.
Am 25. Dezember, war ich dann wieder in Kigeme und habe
diesen Tag mit meinen Freunden Didace und Sarah verbracht und eine weitere
Deutsche freiwillige war auch noch da, die aber in Muhanga, einer 2h Autofahrt
infernten Stadt wohnt. Mein Igetenge (Ruandische Kleidung) ist an diesem Tag
endlich fertig geworden und es sieht nicht nur verdammt cool aus, es ist auch
super bequem. Vielleicht lasse ich mir sogar noch eins machen. In Deutschland
sieht es vielleicht ein bisschen albern aus... Aber vielleicht wird das ja auch
ein neuer Trend. Außerdem gefällt mir der Gedanke die vielen leicht konservativ
denkenden Leute in Koblenz zu provozieren :D :D!!!
Weihnachtsdekoration gab es hier praktisch gar nicht!! Ein
paar Cafés, Gebäude und der Supermarkt, haben so ein bisschen
Weihnatsbeläuchtung aufgehägt und Weihnachtsmänner aufgestellt, aber bei weiten
nicht so viel Atmosphäre an der Straße wie bei uns in Europa. Das hat mich ein
bisschen überrascht, weil die Leute ja Christlich sind.... Aber es hat
wahrscheinlich keiner Lust Geld für Dekoration auszugeben.
Zu Sylvester kann ich eigentlich nicht so viel schreiben.
Didace hat mich hier in Huye besucht und wir haben zusammen einige Bier getrunken,
gegessen und sind dann in den Nachtklub gegangen. Es haben zwar alle sich
gegenseitig „Frohes Neues“ gewünscht, aber so ein richtig besonderer Tag wie
zum Beispiel in Deutschland ist das hier nicht. Der Klub war auch gar nicht so
voll wie erwartet. Aber es war auf jeden Fall ein cooler Abend und wir hatten
eine menge Spaß.









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